Die Soziologin Arlie Hochschild hat den Begriff Emotionsarbeit als Erste definiert. © ASU

Die Soziologin Arlie Hochschild hat den Begriff Emotionsarbeit als Erste definiert.

Emotionsarbeit soll einen Preis haben

bbm / 25. Jan 2016 - Unbezahlte Emotionsarbeit am Arbeitsplatz soll einen Preis haben. Nur so sei die Lohnkluft zu schliessen, sagen Feministinnen.

Die Soziologin Arlie Hochschild hat den Begriff Emotionsarbeit (Emotional Labour) 1979 eingeführt. Vor allem in Dienstleistungsjobs gebe es eine Anforderung, die nicht bezahlt werde: Die Bedürfnisse anderer Personen zu erkennen und diese einzubeziehen. Als Beispiel nannte sie die Hostessen.

Von Frauen wird Fürsorge erwartet

Letztes Jahr ist Emotionsarbeit in den Fokus von Feministinnen im englischsprachigen Raum geraten. Sie verstehen darunter die unausgesprochene Erwartung an Frauen, am Arbeitsplatz netter, aufmerksamer, fürsorglicher zu sein und ungefragt Dinge für andere zu erledigen. Von Frauen werde dieses Verhalten erwartet. Hingegen gelte es als Bonus, wenn Männer sich am Arbeitsplatz so verhalten. Die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen habe nicht dazu geführt, dass die unterschiedlichen Erwartungen an das Verhalten von Frauen und Männern sich verändert hätten.

Grösstes Hindernis für Gleichstellung

Für «New York Times»-Kolumnistin Judith Shulevitz ist die unbezahlte Emotionsarbeit eines der grössten Hindernisse für die Gleichstellung im Erwerbsleben. Die Emotionsarbeit könne für Frauen ein Karrierekiller sein, da sie am Arbeitsplatz und zu Hause viel Energie und Zeit erfordere. Die junge Bloggerin Jess Zimmerman geht davon aus, dass sich die Lohnkluft nur schliessen lässt, wenn Arbeitgebende Emotionsarbeit bezahlen.

Emotionsarbeit entlöhnen

Auch «Guardian»-Kolumnistin Rose Hackman verlangt, dass Arbeitgebende Emotionsarbeit angemessen vergüten. Sie verweist auf den Dienstleistungssektor, der wächst. Hier erwarteten viele Arbeitgebende Emotionsarbeit, ohne dafür zahlen zu wollen. Sie würden dies an die Kundschaft delegieren, die mit Trinkgeld die Emotionsarbeit zahlen soll. Dies könne im Niedriglohnsektor negative Folgen für Frauen haben. Statisken zeigten, dass Frauen, die auf Trinkgeld angewiesen sind, am Arbeitsplatz häufiger sexuell belästigt werden.

Emotionsarbeit ist Frauenarbeit

Emotionsarbeit leisten Frauen auch zu Hause: zuhören, einladen, organisieren, sich erinnern, verdanken, Termine nicht vergessen. Diese Arbeit habe eher zugenommen, da Kinder heute mehr Aktivitäten ausserhalb der Schule wie Sport und Musikunterricht nachgehen, schreibt Judith Shulevitz. Männer hätten zwar einen Teil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernommen. Hingegen sei die zeitintensive Emotionsarbeit Frauenarbeit geblieben.

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Eine Meinung

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich staune, dass es diese Bezeichnung für das, was Frauen schon lange und immer wieder tun, schon seit 1979 gibt. Als nun75 jährige muss ich sagen: wenn ich das damals mitbekommen hätte, hätte ich wohl kein Burn out durchgemacht. Im Rückblick ist es eindeutig. Nun bin ich, geprägt von meinen Erfahrungen dran, diese Sichten weiter in die Gesellschaft einzubringen. Dies mit der Interessengemeinschaft Frau und Museum, manchmal auch mit Kritiken und Beanstandungen an Radio und Fernsehen zum verbreiteten oder verschwiegenen Frauenbild. Neu nun auch mit dem entstehenden Verein «Wirtschaft ist Care". Die Grundlage dazu ist ein Essay von Ina Praetorius:
Wirtschaft ist Care.
Vielen Dank also, wenn sie immer wieder diese Sichten veröffentlichen, damit wir Frauen uns ein Bild davon machen können, was und wie andere Frauen über die Situation von Frauen denken, welche Erfahrungen sie machen und welche Schlüsse sie daraus ziehen, um damit aktiv zu werden.
Martha Beéry-Artho
Martha Beéry, am 26. Januar 2016 um 07:35 Uhr

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