Die «Info-Ladys» bringen Computer, Internet und Bildung in die Dörfer © D.Net

Die «Info-Ladys» bringen Computer, Internet und Bildung in die Dörfer

«Info-Ladys» bringen mobiles Internet aufs Land

fs / 22. Jan 2013 - In Bangladesch fahren Frauen auf Fahrrädern in die Dörfer mit einem Laptop inklusive Internetverbindung im Gepäck.

Als «Info-Ladys» verkaufen die Frauen nicht nur den Internetzugang, sondern auch ihr Wissen. Sie helfen den Menschen, mit Verwandten und Bekannten in Kontakt zu bleiben und Anträge bei Behörden zu stellen. Sie können zudem Bauern über den richtigen Einsatz von Dünger und Gift beraten. Und sie wissen, wie man den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel misst. Mit jungen Frauen sprechen sie über Fragen der Gesundheitsvorsorge und auch über Tabus wie Monatshygiene, Verhütung und Aids.

Eine dieser «Info-Ladys» ist die Lehrerin Sathi Akhtar. Sie verdiene mit dieser Arbeit mehr Geld, als sie als Lehrerin bekommen würde, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. «Wir verdienen jedoch nicht nur Geld, wir tragen auch dazu bei, Frauen auf dem Land mit Informationen zu versorgen. Das macht uns glücklich.»

Von 152 Millionen Menschen haben nur 5 Millionen Internetzugang

Amina Begum beispielsweise lebt in in dem kleinen Dorf Jharabarsha, rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka. Ihr Mann arbeitet in Saudiarabien. Sie hat zuvor nie einen Computer gesehen. Dank einer «Info-Lady» kann sie regelmässig über Skype mit ihrem Mann sprechen. Wir nutzen lieber Skype statt eines Handys, weil wir uns dann auf dem Bildschirm sehen können.» Die Dienstleistungen der «Info-Ladys» sind nicht gratis. Amina Begum beispielsweise zahlt für eine Stunde Skype 200 Taka (1,90 Euro, 2,3 Franken).

Das Projekt der «Info-Ladys» lanciert hat vor vier Jahren die bengalische Hilfsorganisation D.Net. Die Idee stammt ursprünglich von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Dieser brachte bereits 2004 mit den «Mobile-Ladys» Handys in ländliche Gebiete. Im Sog dieses Projektes bauten kommerzielle Mobilfunkanbieter das Netz aus. Mittlerweile haben mehr als 92 Millionen der 152 Millionen Menschen in Bangladesch einen Mobilfunkzugang. Internetzugang haben erst 5 Millionen Menschen.

Zentralbank unterstützt «Info-Ladys» mit zinslosen Krediten

Zurzeit arbeiten 60 «Info-Ladys» in 19 von 64 Bezirken in Bangladesch. Bis 2016 soll es 15’000 «Info-Ladys» geben, sagt Ananya Raihan, Geschäftsleiter von D.Net. Die Hilfsorganisation bildet die Frauen aus und verschafft ihnen ein Darlehen bei einer Bank, damit sie Fahrräder und Laptops kaufen können. «So schaffen wir Jobs für erwerbslose Frauen, und die Dorfbewohner kommen an wichtige Informationen», sagt Ananya Raihan. Letzten Sommer hat die Zentralbank von Bangladesch beschlossen, dass sie den «Info-Ladys» für ihre Ausrüstung zinslose Kredite gewährt. Sie stellt dafür umgerechnet 950’000 Euro (1,1 Millionen Franken) bereit.

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