Ein Lohn für Hausarbeit ist unter Feministinnen umstritten. © mai

Ein Lohn für Hausarbeit ist unter Feministinnen umstritten.

Neue Kontroverse um Lohn für Hausarbeit

fs / 20. Mai 2021 - Ein Lohn für Hausarbeit zementiert veraltete Geschlechterrollen, sagen die Kritikerinnen. Das Gegenteil ist der Fall, sagen die Befürworterinnen.

In der Schweiz verlangt das Höchstgericht neu von Müttern, nach der Scheidung finanziell für sich selber zu sorgen. Die unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit, die immer noch überwiegend Frauen leisten, hat also auch nach einer Scheidung keinen Wert. Viele halten die neue Rechtsprechung unter den heutigen Gegebenheiten für realitätsfern. Einige schlagen deshalb vor, Hausarbeit zu entlöhnen.

Kontroverse unter Feministinnen

Die unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit hat für Frauen bis ins Rentenalter negative finanzielle Folgen. Ein Hausfrauenlohn könne dies ändern, meinen einige. Dieser Vorschlag hat eine jahrzehntealte Kontroverse wiederbelebt. Im Zentrum der Diskussionen steht die Frage, ob ein solches Gehalt Frauen diskriminiert oder emanzipiert.

«Herdprämie»

Die Kritikerinnen sprechen von einer «Herdprämie», welche Hausarbeit als Frauenarbeit zementiere und Frauen vom Arbeitsmarkt verdränge. Zudem könnte ein Hausfrauenlohn ein Anlass für den Staat sein, familienexterne Kinderbetreuungsmöglichkeiten nicht mehr zu finanzieren.

Es sei zwar wichtig, über den Wert der unbezahlten Hausarbeit zu sprechen und darüber wer sie leistet. Doch Ziel müsse es sein, bezahlte Erwerbs- und unbezahlte Hausarbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Wer einen Hausfrauenlohn fordere, mache gemeinsame Sache mit Konservativen, die weltweit auf dem Vormarsch sind. Diese propagieren traditionelle Geschlechterrollen, weil sie bezahlte Arbeit und Macht nicht mit den Frauen teilen wollen.

«Befreiungsschlag»

Die Befürworterinnen dagegen argumentieren, ein Hausfrauenlohn sei ein emanzipatorischer Befreiungsschlag. Frauen müssten nicht mehr jeden bezahlten Job annehmen. Und sie wären in einer besseren Position, um mit ihren Partnern auszuhandeln, wie sie die Haus- und Betreuungsarbeit teilen. Heute seien zwar mehr Frauen erwerbstätig, aber trotzdem finanziell nicht unabhängig, weil sie Teilzeit beschäftigt sind und tiefere Löhne erhalten.

Ein Hausfrauenlohn werte Hausarbeit auf und mache diese sichtbar. Nur eine Bezahlung zeige, dass Hausarbeit einen Wert habe und nichts mit der Natur der Frau zu tun habe. Einen Hausfrauenlohn könnten nämlich auch Männer beziehen und damit ihre Erwerbsarbeitszeit reduzieren.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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