Kesha dankte nach dem Urteil auf Instagram allen, die sie unterstützen. © Kesa/Instagram

Kesha dankte nach dem Urteil auf Instagram allen, die sie unterstützen.

Übergriffs-Opfer darf Arbeitgeber nicht wechseln

fs / 02. Mär 2016 - Ein Gericht schützt in einem Fall von sexueller Nötigung den Arbeitgeber. Es fehle an Beweisen.

US-Popstar Kesha beschuldigt ihren Produzenten Lukasz Gottwald, sie jahrelang sexuell genötigt zu haben. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Kesha hat vor zwei Jahren Klage wegen der Übergriffe eingereicht. Ihr Vertrag mit Sony, der auch Gottwalds Label Kemosabe Records gehört, läuft über mindestens sechs Alben. Erst zwei sind bisher erschienen. Kesha beantragte deshalb vor Gericht, die Plattenfirma wechseln zu dürfen, damit sie mit einem anderen Label zusammenarbeiten darf, bis das Verfahren wegen der Übergriffe entschieden ist.

Fehlende Beweise

Ein Gericht in New York hat nun entschieden, dass die Sängerin nicht zu einer anderen Plattenfirma wechseln darf. Richterin Shirley Kornreich begründete ihren Entscheid damit, dass der Vertrag zwischen der Sängerin und dem Plattenlabel branchenüblich sei. Sony habe zudem versichert, dass Kesha nicht mehr direkt mit Gottwald arbeiten müsse. Hinzu komme, dass die Übergriffe nicht ausreichend durch medizinische Atteste belegt seien. Kesha kritisierte das Urteil als entmutigend für die Opfer von sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz: «Unglücklicherweise glaube ich nicht, dass mein Fall Menschen, die missbraucht wurden, Mut macht, ihre Stimme zu erheben. Und das ist das Problem.»

Selbstvertrauen zerstört

Die heute 28-Jährige Kesha arbeitet seit zehn Jahren mit Gottwald zusammen. Laut CNN wirft sie ihm in der Anklage vor, er habe über Jahre systematisch ihr Selbstvertrauen, ihr Selbstbild und ihr Selbstwertgefühl zerstört, um die Kontrolle über ihr Leben und ihre Karriere zu erhalten. In mindestens zwei Fällen habe der Produzent ihr heimlich Drogen verabreicht und sie dann vergewaltigt. Gottwald habe gedroht, ihre Karriere zu ruinieren, falls sie je jemandem von den Übergriffen erzählt. Deshalb habe sie vor einigen Jahren vor Gericht ausgesagt, es habe keine Übergriffe gegeben. «Sie tat das, was sie tun musste, um sich selbst zu schützen», sagte ihr Anwalt jetzt vor Gericht. «In Gerichtssälen auf der ganzen Welt nehmen Opfer Anzeigen wegen häuslicher Gewalt zurück.»

Grosse Solidarität mit Kesha

Im englischsprachigen Raum solidarisierten sich Popstars wie Adele, Taylor Swift und Lady Gaga mit Kesha. Betroffene machten in den sozialen Netzwerken eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz öffentlich. Autorin und Schauspielerin Lena Dunham kritisierte, dass die US-Justiz Frauen im Stich lasse. Kesha werde die Übergriffe nicht gerichtsfest beweisen können: «Was Kesha widerfährt zeigt, wie das amerikanische Rechtssystem weiterhin Frauen verletzt, indem es sie nicht vor Männern schützt, die sie als ihre Missbrauchstäter identifizieren.»

Kultur der Null-Toleranz

Der Fall von Kesha sei typisch für die Probleme von Frauen am Arbeitsplatz, schreibt der «Guardian». Für die Opfer sei es schwierig bis unmöglich, Übergriffe zu beweisen. Wenn Frauen am Arbeitsplatz belästigt werden, müssten sie entscheiden, ob sie schweigen oder Vorgesetzte informieren. Wer Übergriffe melde, müsse damit rechnen, gemobbt und weiter belästigt zu werden. Das könne die Karriere und auch den Job gefährden. Der «Guardian» sieht die Arbeitgeber in der Verantwortung. Meist fehle eine Kultur der Null-Toleranz. Arbeitgeber würden lieber die Opfer mit einer Entschädigung verabschieden, statt die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Sexistisches Klima auf Dauer schädlich

Eine Kultur der Null-Toleranz am Arbeitsplatz empfiehlt auch ein Forschungsteam der Universität Melbourne, das zahlreiche Studien ausgewertet hat. Laut der Meta-Studie belastet ein sexistisches Klima am Arbeitsplatz Frauen gleich stark wie ein offener Übergriff.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Neben den Abonnements-Einnahmen machen dies Spenden möglich.

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)
DE35 7001 0080 0058 5958 07 (Euro)
BIC: PBNKDEFF

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.