Vaterschaftsurlaub: Schwache Argumente der Gegner

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Barbara Marti / 03. Nov 2017 - Nur wenige Männer nehmen Vaterschaftsurlaub in Anspruch. Das spricht nicht dagegen – im Gegenteil.

Die Schweiz ist in Europa eines der letzten Länder, die keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub kennen. Gewerkschaften, Männer-, Frauen- und Familienverbände haben im Sommer die Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt!» eingereicht. Sie fordert einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von mindestens 20 Tagen. Die Schweizer Regierung hat sich kürzlich dagegen ausgesprochen. Die Kosten eines bezahlten Vaterschaftsurlaubes seien zu hoch. In letzter Instanz werden die Stimmberechtigten entscheiden. Die öffentliche Debatte dominieren die Gegner eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs mit drei Hauptargumenten, die leicht zu widerlegen sind.

«Väter wollen keinen Vaterschaftsurlaub»

In den meisten Ländern, die den bezahlten Vaterschaftsurlaub seit Jahren kennen, nimmt ihn nur eine Minderheit der Väter in Anspruch. Das ist statistisch bewiesen, in einem liberalen Rechtsstaat aber ein seltsames Argument: Es geht nicht darum, ob Väter einen Urlaub in Anspruch nehmen oder nicht in Anspruch nehmen, sondern darum, dass sie einen gesetzlichen Anspruch und damit eine freie Wahl haben.

«Ein Vaterschaftsurlaub belastet die Wirtschaft zu stark»

Der Bund schätzt die Kosten auf 420 Millionen Franken im Jahr. Doch die Kosten sind wahrscheinlich deutlich tiefer, wenn – wie in den meisten Ländern – nur wenige Väter den bezahlten Vaterschaftsurlaub tatsächlich in Anspruch nehmen. Die Belastung für die Wirtschaft ist also gering und damit das Hauptargument der Schweizer Regierung entkräftet. Die Initiative schlägt die Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung (EO) vor. Diese Kasse wird von Erwerbstätigen und Arbeitgebern mit Lohnabzügen gespeist. Die Initianten schätzen, dass sie für den Vaterschaftsurlaub je 0,06 Lohnprozente mehr in die EO einzahlen müssen.

«Ein Vaterschaftsurlaub ist unliberal»

Der Staat soll nicht vorschreiben, welches Familienbild zu fördern ist. Dieses Argument von konservativer Seite ist völlig unverständlich: Liberal ist, wenn Väter die freie Wahl haben, sich für oder gegen einen Vaterschaftsurlaub zu entscheiden. Niemand kann und soll einen Mann zwingen, einen Vaterschaftsurlaub zu nehmen. Und niemand soll einem Mann einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub vorenthalten.

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