Eine junge Technikerin kritisiert Vorurteile gegenüber Frauen in der Technologiebranche. © MG

Eine junge Technikerin kritisiert Vorurteile gegenüber Frauen in der Technologiebranche.

Vorurteile benachteiligen Frauen bei Bewerbungen

fs / 07. Okt 2016 - In der IT-Branche arbeiten nur wenige Frauen. Das kann auch an Vorurteilen liegen, wie ein Experiment gezeigt hat.

Die US-Jobplattform «Speak With a Geek» hat 5000 Bewerbungen zwei Mal einer Gruppe von Arbeitgebenden vorgelegt, berichtet «Cnet».

  • Im ersten Test waren Name und Geschlecht ersichtlich. Nur fünf Prozent derjenigen, die zu einem Jobinterview eingeladen wurden, waren Frauen.
  • Denselben Arbeitgebenden wurden später dieselben Bewerbungen ohne Name und Geschlecht vorgelegt. Das Ergebnis: 54 Prozent derjenigen, die zu einem Jobinterview eingeladen wurden, waren Frauen.

Bewusste und unbewusste Vorurteile

Der Frauenanteil in der IT-Branche sei generell tief, sagt Annie Ryan, die bei «Speak With a Geek» für Vielfalt und Integration zuständig ist. Unternehmen wie Apple und Facebook seien zwar bemüht, den Frauenanteil zu erhöhen. Der Erfolg sei jedoch bescheiden. Der Test mit den anonymisierten Bewerbungen zeige, dass solche ein gutes Mittel wären, um bewusste und unbewusste Vorurteile zu überwinden. Mehr Frauen seien ein Vorteil für Unternehmen. Ryan: «Die Unternehmen haben ein Interesse daran, dass möglichst viele Menschen neue Produkte nutzen und schätzen lernen. Das beste Mittel, um dies zu erreichen ist, dass möglichst verschiedene Menschen an der Herstellung eines Produktes mitarbeiten.»

Passive Regierungen

Frankreich hat vor zehn Jahren im Gleichstellungsgesetz vorgeschrieben, dass Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden anonymisierte Bewerbungen durchführen müssen. Allerdings ist diese Verpflichtung bis heute nicht in Kraft getreten, weil keine Regierung eine Verordnung dazu veröffentlicht hat.

In Grossbritannien haben kürzlich erstmals vier Universitäten beschlossen, ab dem Studienjahr 2017/2018 alle Bewerbungen von Studierenden zu anonymisieren. Damit wolle man Vorurteile überwinden und Diskriminierungen wegen des Geschlechts, der Hautfarbe und der Religion einen Riegel vorschieben.

In Deutschland ist vor einigen Jahren ein bundesweites Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Schluss gekommen, dass anonymisierte Bewerbungen die Chancengleichheit fördern. Teilgenommen hatten neun Arbeitgeber, darunter die Telekom, die Deutsche Post, Procter & Gamble und die Stadtverwaltung Celle. Alle Unternehmen waren sensibilisiert, da sie bereits zuvor Richtlinien gegen Diskriminierungen umgesetzt hatten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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