Natalie Urwyler hat den diesjährigen «Prix Courage» erhalten. © srf

Natalie Urwyler hat den diesjährigen «Prix Courage» erhalten.

«Wichtiger Sieg für alle arbeitenden Frauen»

fs / 08. Nov 2018 - Erstmals hat eine Frau eine Diskriminierungsklage gegen einen Konzern vor Gericht gewonnen. Jetzt ist sie für ihren Mut ausgezeichnet worden.

Natalie Urwyler war Oberärztin am Berner Universitätsspital Insel in der Schweiz. Sie hatte an der Stanford-Universität geforscht und galt als angehende Professorin. Doch sie verlor Arbeit und Karriere, weil sie ihren Arbeitgeber beharrlich aufforderte, Frauenkarrieren nicht zu bremsen und Mutterschutzbestimmungen einzuhalten. Nachdem das Inselspital die Narkoseärztin wegen «zerrütteten Vertrauensverhältnisses» entlassen hatte, klagte sie erfolgreich aufgrund des Gleichstellungsgesetzes. Damit gewann erstmals in der Schweiz eine Frau vor Gericht eine Diskriminierungsklage gegen einen Konzern.

«Jahrelanger Kampf für die Gleichstellung»

Für ihren «langen, harten und beherzten Kampf zugunsten aller Frauen» hat Urwyler kürzlich den diesjährigen «Prix Courage» der Zeitschrift «Beobachter» erhalten. Die Leserinnen und Leser und eine Jury unter Leitung der früheren Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) haben Urwyler aus mehreren Nominierten für den Preis ausgewählt. Er ist mit 15'000 Franken dotiert (13’000 Euro). In ihrer Laudatio sagte Susanne Hochuli: «Mit Mut zog Natalie Urwyler die Kündigung der Insel vor Gericht – und erkämpfte damit für alle arbeitenden Frauen einen wichtigen Sieg.» Urwyler habe in einem männerdominierten Umfeld immer wieder «hartnäckig» den Mund aufgemacht: «Mit Zivilcourage kämpfte Natalie Urwyler jahrelang für die Gleichstellung der Frauen in den Spitälern. Ihr war bewusst, dass ihre Hartnäckigkeit zu mehr Feinden als Freunden führen würde; im ärztlichen Kader des Inselspitals sind 90 Prozent Männer beschäftigt, es geht hierarchisch zu und her, viele Chefärzte halten sich noch immer für Übermenschen – und benehmen sich auch so. Sie liess sich nicht beirren, blieb standhaft und setzte sich für die Sache und ihre Werte ein.» Natalie Urwyler hat mittlerweile einen zweiten Facharzttitel erworben und arbeitet in einem Regionalspital als Assistenzärztin. Anlässlich der Preisverleihung sagte sie «Ich hoffe ganz fest, dass mein ehemaliger Chef jetzt darüber nachdenkt, was er mit mir und vielen anderen Frauen gemacht hat.»

Ärztinnen sollen Klagen einreichen

Laut einer aktuellen Erhebung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verdienen angestellte und selbstständige Ärztinnen durchschnittlich 20 bis fast 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und zwar unter Berücksichtigung von Faktoren wie Berufserfahrung und Fachgebiet. Über die Gründe gibt es nur Vermutungen. Der Bund will deshalb eine externe Studie in Auftrag geben, um Erklärungen zu erhalten. Adelheid Schneider-Gilg (66), Präsidentin von «Ärztinnen Schweiz», forderte gemeinsam mit Natalie Urwyler im «Blick» Ärztinnen auf, gegen zu tiefe Löhne zu klagen. Ein Lohnunterschied von fast 30 Prozent, wie ihn das BAG festgestellt hat, sei «ein Weckruf». Schneider-Gilg: «Wir dürfen diesen Missstand nicht länger akzeptieren.»

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