«No-Gos» nur für Mädchen.

Dresscode nur für Schülerinnen soll Lehrer schützen

fs / 28. Jun 2018 - In der Schweiz stossen Kleiderempfehlungen nur für Mädchen auf Kritik. Die Vorgaben für Jungen hat die Schule aus der Vorlage entfernt.

Die Schülerinnen am Gymnasium Oberaargau in Langenthal haben kürzlich ein Merkblatt erhalten. Darin fordert die Schule sie auf, mit der Kleiderwahl nicht zu viele «Einblicke» zu gewähren. Rektorin Barbara Kunz sagte gegenüber dem Nachrichtenportal «Nau», die Kleiderregel solle Lehrer, Schüler und Schülerinnen schützen: «An einer Schule wäre es das Unangenehmste, wenn einem Lehrer vorgeworfen würde, dass er eine Schülerin sexuell belästigt habe. So weit wollen wir es nicht kommen lassen.»

Kein Dresscode für Jungen

Im Schreiben an die Schülerinnen begründet die Schule die einseitigen Vorgaben damit, dass Schülerinnen «ungleich mehr Möglichkeiten in Sachen Kleidungsstil» haben als Schüler. «Mit ihrem Kleidungsstil können Sie ohne Worte eine Aussage machen.» Zu den grafisch illustrierten «No-Gos» gehören Oberteile mit zu tiefen Einblicken und zu kurze Hosen. Die Grafik hat die Schulleitung vom privaten katholischen Franziskanergymnasium Kreuzburg in Deutschland kopiert.

http://www.frauensicht.ch/data/attachements/28.6.co<em>ddrimtext.png» /></em></p><p class=Original-Dresscode für Mädchen (links) und Jungen (rechts, FGK)

Doch die Schweizer Schule hat die Vorlage aus Deutschland entscheidend geändert und die Empfehlungen für Jungen aus der Grafik entfernt.

«Wir werden zu Objekten degradiert»

Die Schulleitung sei offenbar der Meinung, dass die Mädchen Jungen und Lehrer durch zu viel nackte Haut ablenken könnten, sagte eine 17-jährige Schülerin gegenüber «20 Minuten»: «Wir werden zu Objekten degradiert. Das ist klar sexistisch.» Ein Gymnasium sollte für Toleranz und Gleichberechtigung stehen, sagte Schülerin Michelle Stauffer. «Bei der einseitigen Kleiderempfehlung sind genau diese Werte nicht gewährleistet.» Auf einem Flyer heisst es: «Anstatt Mädchen wegen ihres Körpers anzuprangern, solltet ihr den Jungs beibringen, dass Mädchen keine Sexobjekte sind.»

Einzig Mädchen sollen sich Gedanken machen

Doch davon will Rektorin Kunz offenbar nichts wissen. Statt den Jungs sollen sich ihrer Ansicht nach Mädchen Gedanken machen. Sie äusserte zwar Verständnis dafür, dass die Schülerinnen selber bestimmen wollen, was sie tragen. Das sei ein schöner Gedanke, aber die Gesellschaft sei noch nicht so weit: «Ich möchte, dass die Mädchen sich dazu Gedanken machen. Es ist nicht selbstverständlich. Was sie eigentlich wollen, steht in der Gesellschaft nur auf dem Papier. Es wird noch nicht so gelebt.»

«Ich bin mehr als eine Ablenkung»

Kleidervorschriften sorgen auch in anderen Ländern immer wieder für Kontroversen. In den USA hat letzten Sommer eine Schule Dutzenden Schülerinnen einen Verweis erteilt oder sie nach Hause geschickt, weil sie schulterfreie Tops trugen. Mehrere Schüler erschienen darauf aus Solidarität ebenfalls in schulterfreien Tops zum Unterricht. Unter dem Hashtag «I am more than a distraction» (Ich bin mehr als eine Ablenkung) kritisieren seit einigen Jahren Betroffene und Eltern, dass Schulen Mädchen mit einseitigen Kleidervorschriften sexualisieren und zum Objekt machen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Wer schon mal das Missvergnügen hatte, stundenlang eine halbnackten, haarigen Männerhintern mit viel zu tief hängender Hose auf dem Sitz davor anstarren zu müssen, weiss, dass auch für Jungen Kleidervorschriften angebracht wären.
Elisabeth Bosshart, am 03. Juli 2018 um 14:24 Uhr

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