Megan Head (oben) und Fiona Ingleby akzeptierten sexistisches Gutachten nicht. © MH

Megan Head (oben) und Fiona Ingleby akzeptierten sexistisches Gutachten nicht.

Fachblatt schasst Macho-Gutachter

bbm / 20. Mai 2015 - Die Fachzeitschrift «Plos» hat nach langem Zögern auf ein sexistisches Gutachten reagiert. Nun prüft ein anderer Gutachter die Studie von zwei Forscherinnen.

Die Biologinnen Fiona Ingleby von der University of Sussex (Grossbritannien) und Megan Head von der Australien National University hatten ihre Arbeit bei «Plos One» zur Veröffentlichung eingereicht. Thema sind die Chancen für Forscherinnen und Forscher in der Zeit des Übergangs von der Doktoranden- in die Postdoczeit. Diese Phase ist für eine wissenschaftliche Karriere entscheidend.

Fachzeitschrift ignorierte Beschwerde

Vor der Veröffentlichung prüfte ein Gutachter die Studie (Peer-Review-Verfahren). Er lehnte die Veröffentlichung mit frauenfeindlichen Begründungen ab. Darauf beschwerten sich die Autorinnen beim Verlag. Doch dieser ignorierte die Beschwerde wochenlang. Fiona Ingleby veröffentlichte schliesslich auf Twitter Auszüge aus dem Gutachten.

«Mit männlichen Biologen zusammenarbeiten»

Danach empfiehlt der Gutachter den Forscherinnen, «mit ein oder zwei männlichen Biologen zusammenzuarbeiten». Damit könnten sie vermeiden, dass das Manuskript «zu weit weg von empirischen Daten in Richtung ideologisch aufgeladener Annahmen abdrifte». Völlig unsachlich ist der Kommentar zu einem Ergebnis der Studie: «Vielleicht ist die Tatsache alles andere als überraschend, dass als Ko-Autoren männliche Doktoranden auf einer Publikation im Durchschnitt mehr auftauchen als ihre weiblichen Kollegen. Im Durchschnitt können männliche Doktoranden ja eine Meile auch etwas schneller laufen als Doktorandinnen.» Weiter heisst es im Gutachten, dass die Qualität der Arbeiten von männlichen Erstautoren vielleicht tatsächlich besser sei und sie deshalb öfter in renommierten Fachzeitschriften publizieren können als Erstautorinnen. Männer könnten mehr Stunden als Frauen arbeiten, «da sie leicht gesünder und ausdauernder sind».

Gutachten aus Datenbank entfernt

Auf Twitter folgte ein Sturm der Entrüstung. Erst jetzt entschuldigte sich die Fachzeitschrift: «’Plos One’ bedauert den Ton, Geist und Inhalt dieses Gutachtens. Wir nehmen das Peer-Review-Verfahren ernst und werden zügig auf die Beschwerde (der Autorinnen) reagieren.» Die Fachzeitschrift schasste den Gutachter, entfernte das Gutachten aus der Datenbank und hat die Studie nun einem anderen Gutachter zur Prüfung vorgelegt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Neben den Abonnements-Einnahmen machen dies Spenden möglich.

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)
DE35 7001 0080 0058 5958 07 (Euro)
BIC: PBNKDEFF

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.