Schülerinnen und Schüler der «Simon Langton Grammar School» mit ihren Abschlusszeugnissen. © KO

Schülerinnen und Schüler der «Simon Langton Grammar School» mit ihren Abschlusszeugnissen.

«Gegenmittel gegen das Gift der politischen Korrektheit»

fs / 04. Dez 2017 - Ein staatliches Gymnasium stellt antifeministische Thesen zur Diskussion. Schülerinnen sind beunruhigt.

«Unsafe space» (Ungeschützter Raum) heisst ein Kurs an der «Simon Langton School» in der Stadt Canterbury im Südosten Englands. Er soll die freie Meinungsäusserung fördern. Die Schule beschreibt den Wahlkurs als «Gegenmittel gegen das Gift der politischen Korrektheit». Teilnehmen können Gymnasiastinnen und Gymnasiasten im Alter von 16 bis 18 Jahren.

«Brutstätte für Frauenhasser»

Ziel des Kurses ist es laut der Beschreibung, dass Schülerinnen und Schüler sich mit den «am meisten gestörten und verstörenden Gedanken» auseinandersetzen. Die erste Stunde soll sich mit den Thesen des Ex-Google-Mitarbeiters James Damore befassen. Dieser behauptet, dass Frauen aus biologischen Gründen für die Arbeit in der IT-Branche weniger geeignet sind als Männer. Kritikerinnen warnen davor, mit solchen Veranstaltungen eine Brutstätte für Rechtsnationale und Frauenhasser zu schaffen.

Schülerinnen besorgt

Schülerinnen äusserten sich gegenüber dem «Guardian» besorgt. Laut Sarah Cundy hat der verantwortliche Lehrer James Soderholm gesagt, es gehe darum, das Pro und das Kontra der Argumente von Damore zu diskutieren. Cundy: «Ich fühle mich ziemlich unwohl, wenn ein Lehrer sagt, dass es in diesen Argumenten überhaupt ein Pro gibt.» Die 18-Jährige befürchtet, dass solche Kurse den Sexismus fördern. Dieser ist aus ihrer Sicht an der Schule bereits ein Problem, gerade weil die unteren Klassen reine Jungen-Klassen sind.

Kritik an Themen und Referenten

Die gleichaltrige Connie Kissock pflichtet ihr bei: «Als Schülerin macht es mir Sorgen, wenn männliche Lehrer antifeministische Ideen propagieren, insbesondere in einer männlichen Umgebung.» Sie habe nichts dagegen, in der Schule eine breite Palette von Ideen zu diskutieren. Doch Soderholm lade Referenten ein, die «das, was sie als linke Voreingenommenheit sehen» angreifen. So habe der Lehrer eine Vorlesung zum Thema «Frauen gegen Feminismus» organisiert. Und geplant sei eine zum Thema «Nicht alle Kulturen wurden gleich erschaffen». Ein solcher Titel impliziere, dass nicht-westliche Kulturen minderwertig sind.

«In der Tradition der freien Meinungsäusserung»

Soderholm sagte dem Guardian: «Der ungeschützte Raum ist ein dringend benötigtes Forum, um über eine Vielzahl von Themen aus Sicht beider Seiten des ideologischen Spektrums zu diskutieren. Wir sind nicht daran interessiert, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Sexismus zu schüren. Wir sind daran interessiert, über Argumente zu diskutieren und nicht Haltungen zu bestätigen.» Schulleiter Matthew Baxter sagte im «Guardian», ein solcher Kurs sei im Sinne der «höchsten akademischen Tradition der freien Meinungsäusserung». Die Schülerinnen und Schüler könnten in diesem Wahlkurs ausserhalb des Lehrplans über Ideen diskutieren, die sie auch untereinander besprechen.

Antifeminist eingeladen

Die Schule war bereits letztes Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil Soderholm den rechtsextremen Antifeministen Milo Yiannopoulos für eine Rede eingeladen hatte. Er ist ein ehemaliger Schüler. Wegen Sicherheitsbedenken lud die Schule ihn schliesslich wieder aus.

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