Psychologin Erin Pahlke, Co-Autorin der Meta-Studie. © Whitman College

Psychologin Erin Pahlke, Co-Autorin der Meta-Studie.

Mädchen und Jungen lernen gemeinsam gleich gut

fs / 09. Mai 2014 - Getrennter Unterricht bringt Mädchen keine Vorteile. Sie sind in Mädchenklassen auch nicht ehrgeiziger.

Dies geht aus einer Überblicksstudie hervor, welche die US-amerikanische «National Science Foundation» finanziert und die Fachzeitschrift «Psychological Bulletin» veröffentlicht hat. Das Forschungsteam hat dafür 184 Studien aus den Jahren 1968 bis 2013 mit rund 1,6 Millionen Schülerinnen und Schülern aus 21 Ländern ausgewertet. Fazit der Psychologin Janet Shibley Hyde von der Universität Wisconsin (USA): «Unsere Auswertung zahlreicher Studien zeigt, dass geschlechtergetrennter Unterricht weder Mädchen noch Jungen signifikante Vorteile bringt.»

Keine Nachteile für Mädchen

Die Studien untersuchten die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaft, ihre verbale Ausdrucksfähigkeit, ihre Erwartungen an die Schule und ihre Einstellungen gegenüber Rollenbildern, ihrem Körper und Diskriminierung. Einige Studien haben laut dem Forschungsteam geringfügige Vorteile des geschlechtergetrennten Unterrichts im Fach Mathematik festgestellt. Diese seien jedoch nur moderat und in methodisch strengeren Studien nicht bestätigt worden. Die These, dass Mädchen in bestimmten Fächern im gemeinsamen Unterricht mit Jungen benachteiligt seien, habe die Überblicksstudie nicht bestätigt, sagte Co-Autorin Erin Pahlke, Psychologin am privaten Whitman College in Walla Walla (USA). Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass Mädchen in reinen Mädchenklassen ehrgeiziger seien.

Getrennter Unterricht zementiert traditionelle Rollenbilder

Co-Autorin Janet Shibley Hyde verwies auf die Nachteile der Trennung von Mädchen und Jungen im Unterricht. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass reine Mädchen- und Jungenklassen Vorurteile und traditionelle Rollenbilder zementieren. Ein solcher Unterricht erschwere es beiden Geschlechtern, das Zusammenleben zu lernen. Im Hinblick auf das Leben als Erwachsene könne das niemand wollen.

Gemeinsamer Unterricht «macht dumm»

Die Debatte über die beste Unterrichtsform für Mädchen und Jungen ist Jahrzehnte alt. So forderte die Zeitschrift «Emma» 1989 unter dem Titel «Koedukation macht dumm» den getrennten Unterricht. Mädchen würden in gemischten Klassen nicht genug gefördert. Heute kritisieren auch Männerforscher die Koedukation. Jungen hätten schlechtere Chancen in einer «feminisierten» Schule, die Lehrerinnen und fleissige Schülerinnen dominieren.

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