Vor dem Elterngespräch verweigerte ein Muslim einer Lehrerin den Handschlag. © cs

Vor dem Elterngespräch verweigerte ein Muslim einer Lehrerin den Handschlag.

Vater verweigert Handschlag und zeigt Lehrerin an

fs / 04. Jul 2016 - Eine Lehrerin bricht ein Elterngespräch ab, weil der Vater ihr die Hand nicht geben will. Darauf zeigt der Muslim sie wegen Beleidigung an.

In Deutschland wird ein verweigerter Handschlag zum Gerichtsfall: Der Vater eines Schülers an einer Berliner Privatschule wollte der Lehrerin seines Sohnes die Hand nicht geben. Diese brach deshalb das Elterngespräch ab. Darauf erstattete der Vater, ein gläubiger Schiit und Imam, Strafanzeige wegen Beleidigung und Verletzung der Religionswürde.

Deutsche versus religiöse Gebräuche

Er habe der Lehrerin gesagt, dass er aus religiösen Gründen einer Frau nicht die Hand geben könne, sagte der Imam im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Die Lehrerin habe ihn mehrmals unter Hinweis auf deutsche Gebräuche aufgefordert, ihr die Hand zu geben. Er habe stattdessen die Hand aufs Herz gelegt. Das sei gemäss seinem Glauben die höchste Respektbezeugung gegenüber einer Frau. Die Lehrerin habe dies nicht akzeptiert und das Gespräch abgebrochen. «Sie denkt bestimmt, dass wir sie diskriminiert haben oder so», sagte der Imam im rbb. «Aber wir wurden diskriminiert und beleidigt wegen unserer Religion.»

Aussprache abgelehnt

Die Schule habe sich nicht bei ihm entschuldigt und deshalb habe er Anzeige erstattet und die Kinder aus der Schule genommen. Eine Einladung der Schulleitung zu einem klärenden Gespräch wiesen die Eltern zurück. Das Verhältnis sei zerrüttet. «Integration heisst für uns, dass wir die Gesetze des Gastlandes befolgen. Die Kultur allerdings müssen wir nicht bedingungslos übernehmen», sagte der Imam im rbb. Die Privatschule wollte sich bisher aus Rücksicht auf die muslimische Familie, die anderen Kinder und das Lehrerkollegium nicht öffentlich äussern. Der Imam lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Wegen der Gemeindearbeit habe er bisher keine Zeit gefunden, ausreichend Deutsch zu lernen, sagte er im rbb. Seine Frau ist in Deutschland aufgewachsen.

Gleichstellung wichtiger als Religionsfreiheit

In der Schweiz hat ein ähnlicher Fall für Aufsehen gesorgt. Zwei muslimische Schüler wollten ihrer Lehrerin nicht wie alle anderen Schüler die Hand geben. Schliesslich verpflichtete die Schulbehörde die Schüler unter Androhung von Geldstrafen zum Handschlag, der in dieser Schule üblich ist. Die Gleichstellung von Frau und Mann sei wichtiger als die Religionsfreiheit der Schüler. Die Familie der beiden Schüler bewegt sich nach Recherchen verschiedener Medien in einem fundamentalistischen Umfeld.

In Schweden hat ein grüner Politiker muslimischen Glaubens einer Journalistin die Hand nicht gegeben. Nach heftiger Kritik hat er die Politik verlassen.

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keine

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8 Meinungen

Ich bin sehr froh, wenn endlich klar wird, dass die Gleichstellung von Mann und Frau wichtiger ist als Religionsfreiheit.....das ist ein soo wichtiger Schritt in die «Nichtdiskriminierung» von Frauen. Martha
Beéry-Artho
Martha Beéry, am 04. Juli 2016 um 11:10 Uhr
Religion ist Privatsache und hat in der Politik und der Öffentlichkeit nichts zu verweigern oder zu fordern, schon gar nichts, was die Menschenwürde angreift oder sie verletzt.
Waltraud Pomper, am 05. Juli 2016 um 14:59 Uhr
Nur hat der geschilderte Sachverhalt m.E. wenig bis nichts mit Gleichstellung zu tun. Mir wäre es egal, wenn mir ein Vater anstatt die Hand zu geben, eine andere Respektbezeugung erweisen würde, wie es die hand aufs Herz darstellt.
Wichtiger wäre mir, dass die Kinder weiterhin zur Schule gehen und so die Chancengerechtigkeit gewahrt bleibt
Esther Gisler Fischer, am 01. August 2016 um 13:08 Uhr
Das mit der Chancengerechtigkeit dürfte schwierig bleiben, wenn Wertehaltungen in Bezug auf Männer und Frauen verschieden «ausfallen". Wem welche Ehrbezeugung?
Hat eben vielleicht doch mit Gleichstellung zu tun.
Martha Beéry
Martha Beéry, am 01. August 2016 um 14:59 Uhr
Meines Erachtens spielen da kulturelle Unterschiede eine nicht unerhebliche Rolle: In der einen Kultur sind Berührungen wie Handschalg etc. üblich, in anderen eher weniger; unabhängig, ob sie zwischen Männern und Männern, Männern und Frauen oder Frauen und Frauen passieren.
Esther Gisler Fischer, am 01. August 2016 um 16:23 Uhr
Ich weiss, dass es sich um kulturelle Unterschiede handelt, aber geht es denn nicht gerade darum, diese lange gehegten kulturellen Beziehungsvorschriften (manchmal und oft haben sie mit dem was wir «Kultur» nennen gar nichts zu tun) zwischen Männern und Frauen zu verändern um zu einer partnerschaftlicheren Umgangsweise zu gelangen?
Martha Beéry, am 01. August 2016 um 16:30 Uhr
Wa eine «partnerschaftliche Umgangsweise» genau ist, das ist wohl nicht ganz klar und bedarf Aushandlungsprozessen. Ich persönlich gestehe Geschlechtsgenossinnen mehr Körperkontakt zu als irgendwelchen Männern. Das Ganze ist also nicht nur kulturell, sondern auch individuell bedingt.
Esther Gisler Fischer, am 01. August 2016 um 18:13 Uhr
Ja, damit könnte ich mich einverstanden erklären, auf einer neuen Basis Körperkontakte (aller Art, auch mit in den Tod reissen z.B.) aushandeln, die alten patriarchalen Bilder (auch Geschlechterbilder) langsam aber sicher mit neueren «den anderen als Partner/Partnerin sehen und nicht als Untergebene oder Feind» ersetzen. Das wird wohl ein sehr langer Weg werden.....ich denke aber ein fruchtbarer, denn nur so können wir wohl dem «Kampfgeist» vieler «jeder gegen jeden» eine andere Form des Menschseins entgegensetzen.
Martha Beéry, am 02. August 2016 um 09:34 Uhr

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