Campus der FU Berlin: Klischees beeinflussen den Frauenanteil in bestimmten Fächern. © Peter Himsel

Campus der FU Berlin: Klischees beeinflussen den Frauenanteil in bestimmten Fächern.

Vorurteile bremsen Frauen in der Forschung

bbm / 03. Feb 2016 - Genialität wird eher Männern zugesprochen. Dies gilt als Grund dafür, dass der Frauenanteil in bestimmten wissenschaftlichen Fächern tief ist.

Zu diesem Schluss kommt eine US-Studie, welche die Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht hat. An den US-Universitäten ist der Frauenanteil zum Beispiel in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) meist tief und in den Geisteswissenschaften hoch. Doch es gibt Abweichungen: In der Philosophie beispielsweise ist der Frauenanteil vergleichsweise tief und in der Molekularbiologie oder Geologie hoch. Die ungleiche Verteilung der Studierenden kann also nicht nur mit Gruppen von Fächern erklärt werden.

Genies sind Männer

Das US-Forschungsteam um die Philosophin Sarah-Jane Leslie von der Princeton-Universität und den Psychologen Andrei Cimpian von der Illionois-Universität wollte herausfinden, weshalb bestimmte Fachgebiete zu Frauen- oder Männerdomänen werden. Es hat dafür 1820 Professoren, Postdoktoranden, Doktoranden und Master-Studierende aus dreissig verschiedenen Fächern von privaten und öffentlichen US-Hochschulen zu den Anforderungen in ihrem Fachbereich befragt. Das Ergebnis:

  • Die Fakultätsangehörigen erwarten in bestimmten Fächern eine Genialität, die man nicht lernen kann. Diese assoziieren die Befragten eher mit Männern als mit Frauen. Am ausgeprägtesten ist die Erwartung an eine «natürliche Brillanz» in der Philosophie. Es folgen Mathematik, Musik und Physik. In diesen Fächern sind Frauen untervertreten.
  • Für Fächer wie Erziehungswissenschaften, Psychologie, Geologie und Molekularbiologie gilt eine angeborene Genialität weniger als Voraussetzung. Frauen sind in diesen Fächern übervertreten.

Klischees mitentscheidend

Das Forschungsteam zieht aus der Befragung den Schluss, dass Klischees die Verteilung der Studierenden entscheidend mitbestimmen. Andere Erklärungen schliesst das Forschungsteam aus: So gebe es keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil und besonders zeitaufwändigen oder selektiven Studienfächern. Für den Frauenanteil sei auch unerheblich, ob Studienfächer hohe analytische Ansprüche stellen.

Begabung relativieren

Das Forschungsteam will nun mit einer weiteren Untersuchung klären, ob Frauen Fächer, wo Genialität erwartet wird, von sich aus meiden oder ob diese Fächer wegen der Vorurteile Frauen tatsächlich diskriminieren. Universitäten, die eine bessere Durchmischung erreichen wollen, rät das Forschungsteam, «Talent und Begabung herunterzuspielen und stattdessen zu betonen, dass man hart arbeiten muss, um im universitären Bereich erfolgreich zu sein.»

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