Zu kurzer Rock, zu enge Hose: Schulleiterin Tracey Jones (Mitte) schickte Chloe Hirst nach Hause. © SVNS

Zu kurzer Rock, zu enge Hose: Schulleiterin Tracey Jones (Mitte) schickte Chloe Hirst nach Hause.

Zu kurze Röcke: Schülerinnen müssen nach Hause

bbm / 22. Apr 2016 - Kleidervorschriften für Schülerinnen haben im englischsprachigen Raum Kritik ausgelöst. Sie seien die falsche Botschaft an Mädchen und Jungen.

Die Lord Grey Secondary School in Milton Keynes im Südosten von Grossbritannien hat Mitte April zahlreiche Schülerinnen wegen zu knapper Kleidung nach Hause geschickt. Die Mädchen seien nicht «sittsam und anständig» gekleidet gewesen, sagte Direktorin Tracey Jones. Die Schule habe die Schülerinnen und ihre Eltern vorgewarnt, dass sie nach Ostern ihre Kleiderregeln durchsetzen werde. Danach müssten die Röcke der Schuluniformen knielang und die Hosen nicht zu eng sein. Das soll Mädchen vor ungewollten Annäherungsversuchen der Jungen schützen. Jones: «Das Letzte, was wir wollen, ist, dass Jungen Mädchen unter den Rock gucken, wenn sie hinter ihnen die Treppen nach oben gehen.»

Schule zementiert Rollenbilder

Diese Begründung diskriminiere Mädchen, sagen Kritikerinnen. Laura Bates, Gründerin des «Everyday Sexism Project», warf der Schule im «Guardian» vor, Mädchen zu diskriminieren. Die Schule schränke das Selbstbestimmungsrecht der Schülerinnen ein und sie bestätige das Vorurteil, dass Mädchen letztlich für das Verhalten von Jungen verantwortlich sind: «Wenn Jungen den Mädchen auf der Treppe unter den Rock gucken, dann bestraft man die Mädchen und schickt sie nach Hause, statt den Jungen beizubringen, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist.»

Falsche Botschaft an Mädchen und Jungen

Diese Botschaft könne sich für Mädchen später verheerend auswirken, wenn sie beispielsweise mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind. Statt Klischees zu zementieren, sollte die Schule Schülerinnen und Schüler ermutigen, diese zu überwinden, sagte Bates. In der «Sun» warf ein Leser der Schule vor, mit den Kleidervorschriften für Mädchen auch Jungen zu diskriminieren. «Dies ist ein Beispiel dafür, wie Jungen allesamt als sexhungrige Raubtiere dargestellt werden.»

Kontroverse auch in Neuseeland

Eine ähnliche Kontroverse wie in Grossbritannien gab es kurz zuvor in Neuseeland. 40 Schülerinnen der Henderson High School in Auckland mussten bei der Schulleitung antraben, weil ihre Röcke zu kurz waren. Schülerin Sade Tuttle sagte danach dem TV-Sender «Newshub», die Schulleitung habe gesagt, die Kleidervorschrift solle Mädchen schützen, Jungen nicht auf falsche Gedanken bringen und männlichen Lehrkräften ein gutes Arbeitsumfeld bieten. Sie habe nichts gegen längere Röcke, aber viel gegen diese Begründung, sagte die Schülerin: «Diese Vorschriften betreffen Mädchen, weil nur ihre Körper als sexuell und verführerisch gelten.» Deborah Russel von der Massey University sprach von der falschen Botschaft an junge Frauen und Männer: «Junge Frauen werden für das sexuelle Verhalten von jungen Männern verantwortlich gemacht. Junge Männer erfahren, dass ihr Verhalten nicht kontrollierbar sei.»

In Deutschland hat letzten Sommer eine Realschule in Baden-Württemberg Mädchen verboten, Hotpants und bauchfreie Tops zu tragen. Das löste deutschlandweit Empörung aus. Kritikerinnen warfen der Schulleitung vor, Schülerinnen als Sexobjekte und Schüler als unkontrollierbar triebhafte Wesen darzustellen. Einige andere Schulen in Deutschland kennen ähnliche Verbote. Sie halten XXL-T-Shirts bereit, mit denen sich zu freizügig gekleidete Schülerinnen verhüllen müssen.

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