China: Prominente unterstützen Frauenrechtlerin

fs / 15. Jul 2013 - Mutige Aktionen brachten die Frauenrechtsaktivistin Ye Haiyan ins Gefängnis. Öffentliche Kampagnen erwirkten ihre Freilassung.

Ye Haiyan, Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation «Women’s Rights Centre», wurde Ende Mai verhaftet, weil sie einem Schuldirektor öffentlich vorwarf, Schülerinnen missbraucht zu haben. Dank der Solidarität von Sympathisantinnen und Sympathisanten, darunter dem prominenten Künstler Ai Weiwei, kam sie nach zwei Wochen wieder frei.

Ye Haiyan engagiert sich in China seit Jahren mit spektakulären Aktionen gegen den sexuellen Missbrauch junger Mädchen und für einen besseren HIV-Schutz von Prostituierten. Ende Mai richtete sie im Internet eine Botschaft an einen Schuldirektor, der im Verdacht steht, zusammen mit einem lokalen Beamten mehrere Schülerinnen in einem Hotelzimmer missbraucht zu haben: «Direktor, nehmen Sie lieber ein Zimmer mit mir und lassen Sie unsere Kinder in Ruhe.»

Chinesische Medien deckten in der Folge auf, dass auch an anderen Schulen Kinder missbraucht werden. Hunderte Eltern, Studenten, Polizisten, der renommierte Künstler Ai Weiwei und die japanische Pornodarstellerin Sola Aoi, die in China sehr beliebt ist, stellten Bilder von sich mit dem gleichen Angebot für den Schuldirektor ins Internet.

In der Wohnung überfallen und danach verhaftet

Ye Haiyan wurde darauf von mehreren Personen in Zivilkleidung in ihrer Wohnung überfallen. Am nächsten Tag wurde sie verhaftet, weil sie drei Frauen mit einem Küchenmesser angegriffen haben soll. Laut Nicholas Bequelin, Asien-Verantwortlicher der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist dies in China eine gängige Methode, um eine Kritikerin mundtot zu machen. Ein Angriff werde inszeniert, um dann das Opfer zur Angeklagten zu machen. Es handle sich jedoch um willkürliche Verhaftungen. Ye Haiyan drohte eine mehrjährige Haftstrafe wegen Körperverletzung.

«Schlaft mit mir und lasst Ye Haiyan in Ruhe»

Prominente Sympathisantinnen und Sympathisanten forderten öffentlich die Freilassung von Ye Haiyan. Zu ihnen gehörten Ai Weiwei und die feministische Intellektuelle Ai Xiaoming, Professorin für chinesische Sprache und Literatur an der Sun Yat-sen-Universität in Guangzhou. In Anlehnung an die Aktionen der ukrainischen Femen-Aktivistinnen veröffentlichte die 60-Jährige auf ihrer Facebook-Seite ein Nacktbild von sich. In der Hand hält sie eine Schere – eine Waffe, wie sie Frauen in chinesischen Filmen oft nutzen. Und auf der nackten Brust steht: «Schlaft mit mir und lasst Ye Haiyan in Ruhe.»

Nach zwei Wochen Haft wurde Ye Haiyan freigelassen. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit wäre dies nicht der Fall gewesen, sagen ihre Anwälte. Eine wütende Menschenmenge forderte nach ihrer Freilassung, Ye Haiyan aus der Region wegzuweisen, berichtet die in Hongkong erscheinende «South China Morning Post». Die Behörden kamen dieser Forderung nach. Ye Haiyan: «Ich gehe einen schwierigen Weg, der ermüdend ist, weil ich immer wieder vertrieben werde.» Ai Weiwei sprach gegenüber «Le Temps» von einer mutigen Aktion. Er sieht Parallelen zu seiner Arbeit: «Wir provozieren nicht, sondern wollen das Bewusstsein der Menschen verändern. Jede Aktion ist ein neuer Versuch. Aber der Raum der Freiheit ist sehr begrenzt.» Ye Haiyan fordere mit ihren Aktionen die Autoritäten heraus, aber auch die einzelnen Menschen Ai Weiwei: «Wer in diesem Land die Moral thematisiert, wird zum Schweigen gebracht.»

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