Gabriele Möller-Hasenbeck kritisiert auf der Bühne Bernd Stelter wegen seiner sexistischen Witze. © wdr

Gabriele Möller-Hasenbeck kritisiert auf der Bühne Bernd Stelter wegen seiner sexistischen Witze.

«Die Frau hat wohl keinen Humor»

fs / 07. Mär 2019 - Wer frauenfeindliche Witze kritisiert, stellt Machtstrukturen in Frage und fällt deshalb in Ungnade. Ein aktueller Fall ist beispielhaft.

In Deutschland machte sich Comedian Bernd Stelter an einem Karnevalsauftritt über den Doppelnamen der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer lustig. Gabriele Möller-Hasenbeck sass im Publikum und ärgerte sich über die platten Witze auf Kosten einer Frau. Die Steuerberaterin pfiff zuerst, dann ging sie auf die Bühne und fragte Stelter: «Fragt mal irgendjemand, was für ein Scheiss-Name ein Mann hat, den die Frau annimmt? Männernamen sind immer toll. Und Frauennamen sind immer Scheisse. Und Doppelnamen sind doppelt Scheisse.» Stelter rechtfertigte sich: «Wir machen hier ganz einfach Karneval. Und was ich mache, sind Witze.» Dann wurde die Kritikerin vom Sicherheitspersonal des Saales verwiesen.

«Diskriminierend»

Stelter sagte später der «Kölner Rundschau», die Frau habe wohl einfach keinen Humor. Möller-Hasenbeck sagte im «Tagesspiegel», die Kritik an angeblich sperrigen Doppelnamen treffe meistens Frauen. «Ich konnte das nicht mehr hören und empfinde es als diskriminierend.» Möller-Hasenbeck und ihr Mann wurden danach im Netz massiv angefeindet.

Schlechter Witz

Doppelnamen stammen aus einer Zeit, als Frauen im Namensrecht noch als Besitz des Mannes galten. In Deutschland konnten Frauen bei der Heirat ab 1957 Doppelnamen wählen. Mehr gestand ihnen eine patriarchale Gesellschaft bis 1991 nicht zu. Es ist deshalb ein schlechter Witz, dass sich nun ausgerechnet ein Vertreter dieses patriarchalen Denkens über Doppelnamen lustig macht.

Witze auf Kosten von Frauen

Bei Humor ist Sexismus ein zentrales Element, wie aus dem ersten Sexismusbericht hervorgeht, den die französische Regierung Anfang dieses Jahres veröffentlichte. Sexistischer Humor sexualisiere Frauen und werte sie ab, heisst es darin. Als Beispiel nennt der Bericht Witze über das Aussehen von Angela Merkel. Man lache immer noch über Frauen und nicht mit ihnen, heisst es im Bericht. Das führe dazu, dass Frauen in Witzen oft als neidisch, zickig, inkompetent, dumm und naiv abgewertet werden. Witze auf Kosten von Frauen zementieren Sexismus.

Schwierige Kritik

Sexistische Witze zu kritisieren sei sehr schwierig, heisst es im Bericht. Wer nicht mitlache, werde – wie die Karnevalistin in Deutschland – als humorlos bezeichnet. «Kritikerinnen sexistischer Witze als humorlos zu bezeichnen, heisst, sich aus der Verantwortung zu stehlen, die Machtstruktur, in der solche Witze funktionieren, nicht in Frage zu stellen, und nicht darüber nachzudenken, welche Folgen sexistische Witze und das Lachen darüber haben.»

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