Prinz Harry wird als Opfer seiner Frau Meghan dargestellt. © BBC

Prinz Harry wird als Opfer seiner Frau Meghan dargestellt.

Die Frau stürzt den Mann ins Unglück

fs / 25. Feb 2020 - Medien zementieren traditionelle Rollenklischees: Prinz Harry gilt als Opfer seiner selbstsüchtigen Frau Meghan Markle.

Prinz Harry und seine Frau Meghan Markle haben gemeinsam entschieden, sich aus dem britischen Königshaus zurückzuziehen. Wer in den Augen der Medien die treibende Kraft war, verrät die Bezeichnung «Megxit»: Meghan.

Der Mann ist das Opfer

Meghan war vor ihrer Heirat mit Harry Schauspielerin und Unternehmerin. Für eine kurze Zeit war sie der Liebling der Medien. Doch aus Zuneigung wurde bald Kritik und Meghan musste fast täglich eine negative Schlagzeile über sich ergehen lassen. Die nachvollziehbare Konsequenz des Paares war der Rücktritt als Senior Royals. Der Hauptvorwurf an Meghan lautet nun, sie habe Harry nur geheiratet, um noch berühmter zu werden. Jetzt wolle sie diese Berühmtheit kommerzialisieren und ihren Gatten seiner Familie entreissen. Harry wird als Opfer seiner Frau dargestellt.

Die Frau ist schuld

Damit haben die Medien sich für eine Erzählung entschieden, wie sie schon in der Bibel steht: Die Frau ist schuld. Die Botschaft dahinter: Eine Frau, die einen Weg geht, der ihren Wünschen und Bedürfnissen entspricht, stürzt andere damit ins Unglück. Und das sehen nicht nur Boulevardmedien so. Die renommierte «Zeit» schrieb, Meghan hätte in ihrer royalen Rolle mit «kleinen Verschiebungen» viel bewirken können. «Was wie eine Befreiung interpretiert wird, tut der modernen Frau keinen Gefallen.» Die Frau soll sich fügen und das Beste daraus machen – eine ganz und gar nicht moderne Erzählung. Eine andere Erzählung widerspricht diesem frauenfeindlichen Rollenbild und schaffte es wohl deshalb nur in wenige Blätter: Prinz Harry war die treibende Kraft hinter dem «Megxit».

Der Mann darf eigenständig bleiben

Der «Megxit» hätte möglicherweise keine so hohen Wellen geschlagen, wenn Meghan ein Mann wäre. Dies zeigt ein Blick nach Schweden: Die schwedische Prinzessin Madeleine steht in der Thronfolge wie Prinz Harry nicht in der vordersten Reihe. Als sie vor einigen Jahren einen US-Banker heiratete, lehnte dieser einen royalen Titel ab. Er begründete dies damit, dass er sein bisheriges Leben beibehalten wolle. Als schwedischer Prinz hätte er seine Staatsbürgerschaft und seinen Job als Investmentbanker aufgeben müssen. Sein Entscheid löste damals im schwedischen Königshaus keine Krise aus. Entweder ist dieses moderner als das britische oder man misst mit zwei Ellen: Dem Mann einer Prinzessin gesteht man eher Eigenständigkeit zu als der Frau eines Prinzen.

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