Das rosa Buch für Mädchen und das blaue für Jungen zementieren Rollenklischees. © Copenrath

Das rosa Buch für Mädchen und das blaue für Jungen zementieren Rollenklischees.

Hausarbeit für Mädchen, Schatzsuche für Jungen

fs / 07. Feb 2019 - Jungen sind Schatzsucher, Mädchen helfen der Mutter. Kinderbücher sind immer noch voller Geschlechterklischees, wie eine umfangreiche Analyse zeigt.

Die «Süddeutsche Zeitung» hat den Katalog der grössten Fachbibliothek für Kinderliteratur analysiert, die es im deutschsprachigen Raum gibt. In der Bibliothek für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt am Main sind rund 50’000 deutschsprachige Bilder-, Kinder- und Jugendbücher aus fast 70 Jahren erfasst. Die «Süddeutsche Zeitung» hat nicht den Inhalt der einzelnen Bücher analysiert, sondern den Schlagwortkatalog ausgewertet. Durchschnittlich 20 Schlagworte gibt es pro Buch wie «Weiblicher Protagonist (!)», «Männlicher Protagonist», «Prinzessin», «Verlieben», «Abenteuer» und «Schatzsuche».

Alltag für Mädchen

Die Analyse zeigt: Zu Büchern mit Schlagworten wie «Abenteuer» und «Abenteuererzählung» gibt es wesentlich häufiger auch das Schlagwort «Männlicher Protagonist» als «Weiblicher Protagonist». Männliche Helden erleben mehr als doppelt so viele Abenteuer wie Heldinnen, obwohl traditionell weibliche Erlebniswelten wie ein Ponyhof auch mal mit dem Schlagwort «Abenteuer» verknüpft sind. Die Erlebniswelt der Mädchen ist viel häufiger mit Schlagworten wie «Tiere», «Schule» und «Familie» zusammengefasst. Für Jungen gibt es also in Kinderbüchern eine vielfältige Abenteuerwelt, für Mädchen eine überschaubare Alltagswelt.

Kein Umbruch

Laut der «Süddeutschen Zeitung» geht aus wissenschaftlichen Studien hervor, dass die Figuren in Kinderbüchern in den Sechziger- und Siebzigerjahren zwar heterogener geworden sind. So gibt es seither mehr weibliche Heldinnen wie beispielsweise Ronja Räubertochter. Doch ein grundsätzlicher Umbruch weg von Geschlechterklischees fand nicht statt. Laut Ralf Schweikart, Vorsitzender des Dachverbandes «Arbeitskreis Jugendliteratur», schlägt das Pendel nun eher wieder zurück: «Die antiautoritäre Kinder- und Jugendbuchliteratur hat damals sehr bewusst versucht, die Rosa-Blau-Stereotype aufzubrechen. Heute gibt es wieder eine eher stärkere Ausrichtung nach Geschlechtern.» Schweikart führt dies unter anderem auf das Gendermarketing zurück. Verlage können mehr Bücher verkaufen, wenn sie Jungen und Mädchen getrennt ansprechen. Die Bücher unterscheiden sich denn auch nach wie vor äusserlich. Bücher für Mädchen sind eher in rosarot gestaltet, Bücher für Jungen in blau.

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keine

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