Kiran Gandhi (links) lief den London-Marathon ohne Tampon oder Binde.

Junge Frauen enttabuisieren Menstruation

fs / 05. Sep 2016 - Über Menstruation wird öffentlich kaum gesprochen und die Werbung stellt das Blut meist hellblau dar. Sportlerinnen brechen das Schweigen.

Bei den Olympischen Spielen in Rio verpasste Fu Yuanhui aus China mit der 100-Meter-Lagenstaffel als Vierte eine Medaille nur knapp. Die 20-Jährige hatte zuvor Bronze über 100 Meter Rücken gewonnen. Ihre Leistung in der Staffel begründete sie mit der Menstruation: «Ich habe gestern meine Periode bekommen und fühlte mich sehr müde.» Diese Begründung hat nicht nur in China, sondern weltweit für Aufsehen gesorgt. Im Netz erhielt Fu Yuanhui Lob dafür, dass sie ehrlich war und das Tabu Menstruation gebrochen hat.

Marathonlauf ohne Tampon

Hobby-Marathon-Läuferin Kiran Gandhi hatte letztes Jahr für Aufsehen gesorgt: Sie lief den London-Marathon während ihrer Periode ohne Tampon oder Binde. Das Bild von ihr in der Trainingshose mit grossem Blutfleck ging um die Welt. Die Aktivistin aus den USA kritisiert, dass Frauen ihre Blutung verstecken und verleugnen. Am Marathon wollte sie ein Zeichen dagegen setzen: «Ich lief mit Blut an meinen Beinen für die Schwestern, die keinen Zugang zu Tampons haben, und für die Schwestern, die ihre Periode trotz Krämpfen und Schmerzen verstecken und so tun, als gäbe es sie nicht. Ich lief, um zu sagen: Sie existiert und wir leben regelmässig damit.»

Protestaktion mit Damenbinden

In Deutschland hat eine junge Studentin Damenbinden mit feministischen Botschaften auf geeignete Stellen im öffenlichen Raum geklebt und damit weltweit für Aufsehen gesorgt. Eine der Botschaften hiess: «Stellt euch vor, Männer wären von Vergewaltigungen so angeekelt wie von der Periode.»

Twitter-Kampagnen

Ekel, Scham und Tabuisierung durchbrechen Gruppen junger Frauen weltweit. In Indien liegt ein Fokus auf der Stigmatisierung von menstruierenden Frauen. Diese gelten als «unrein» und dürfen deshalb beispielsweise keine Tempel betreten. Dagegen protestierten letztes Jahr Aktivistinnen unter dem Slogan «HappyToBleed». In Nordamerika brechen sie seit diesem Frühjahr unter dem Slogan «Tweetyourperiod» das Schweigen und schildern ihre Erlebnisse mit der Menstruation. «Ich möchte in einer Welt leben, in der wir offen und ehrlich über die Menstruation sprechen können», schrieb Risa Pappas, Initiantin der Kampagne.

Zensur von Instagram

Wie weit dieser Weg noch ist, zeigt eine Aktion der kanadischen Künstlerin Rupi Kaur. Sie veröffentlichte letztes Jahr auf Instagram ein Foto von einer schlafenden Frau. Auf ihrer Hose und auf dem Bettlaken waren Blutflecken zu sehen. Eine Situation, die erwachsene

Dieses Foto von Rupi Kaur hat Instagram erst nach mehrmaligem Löschen frei gegeben. (RK)

Frauen bestens kennen. Doch Instagram löschte das Bild sofort und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Kaur kritisierte, dass Instagram Fotos von Frauen in Unterwäsche erlaube, aber nur wenn darauf kein Blut zu sehen ist. Instagram gab das Bild schliesslich frei und entschuldigte sich bei Kaur für den «Fehler».

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keine

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