Kongolesische Nonne erhält Nansen-Flüchtlingspreis

fs / 18. Okt 2013 - Schwester Angélique Namaika und Denis Mukwege helfen vergewaltigten Frauen im Kongo. Für das mutige Engagement wurden beide geehrt.

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat den mit 100'000 Dollar (78’000 Euro, 95’000 Franken) dotierten Nansen-Flüchtlingspreis an Angélique Namaika verliehen. Denis Mukwege erhält den Alternativen Nobelpreis.

Die katholische Nonne Angélique Namaika und der Gynäkologe Denis Mukwege erhalten Anerkennung für ihre Arbeit mit Opfern sexueller Gewalt in der bürgerkriegsgeplagten Demokratischen Republik Kongo. Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat den mit 100'000 Dollar (78’000 Euro, 95’000 Franken) dotierten Nansen-Flüchtlingspreis an Angélique Namaika verliehen. Denis Mukwege erhält den Alternativen Nobelpreis. Er ist mit 57’000 Euro (68’000 Franken) dotiert.

Ein Refugium für traumatisierte Frauen und Mädchen

Der Kongo ist laut der UNO «für Frauen das gefährlichste Land der Welt». Seit 18 Jahren herrsche ein Krieg, in dem sexuelle Gewalt systematisch als Waffe eingesetzt werde. An keinem Ort der Erde werden so viele Frauen verschleppt, versklavt, vergewaltigt und auf bestialische Weise gequält.

Angélique Namaika leitet ein Reintegrationszentrum im Nordosten des Landes. Sie nimmt dort schwer misshandelte und traumatisierte Frauen und Mädchen auf. Diese leiden oft an Geschlechts- und anderen Krankheiten und haben Kinder von Vergewaltigungen. Deshalb würden sie von ihren Familien verstossen, sagte Angélique Namaika im «Tages-Anzeiger». Im Reintegrationszentrum lernen die Frauen, wie sie eine eigene Existenz aufbauen können, damit sie ihre Kinder versorgen, zur Schule schicken und Medikamente kaufen können.

Angélique Namaika war vor vier Jahren selber auf der Flucht: «Ich hatte grosse Angst und wusste nicht, wovon ich leben sollte.» Sie sei von einem überfüllten Versteck zum nächsten gehetzt. «Zu essen hatten wir nichts.» Als die Miliz nach Wochen weiterzog, kehrte Namaika zurück. «Jetzt habe ich fast keine Angst mehr, Gott steht mir bei.» Sie hat vor dem US-Kongress, dem UNO-Sicherheitsrat und dem UNHCR Zeugnis über Gräueltaten von Milizen abgelegt.

Gräueltaten öffentlich machen

Der Gynäkologe Denis Mukwege leitet ein Spital im Ostkongo, das auf die Behandlung vergewaltigter Frauen spezialisiert ist. Der 58-Jährige hat Tausende schwer verletzter und traumatisierter Frauen medizinisch behandelt. Er hat zudem Einzelfälle genau dokumentiert, Täter identifiziert und Gräueltaten öffentlich gemacht. Denis Mukwege erhält regelmässig Drohungen. Ein Attentat hat er letztes Jahr überlebt. Männer müssten die Gewaltorgie gegen Frauen anprangern, sonst ändere sich nie etwas, sagt Mukwege: «Wenn man nicht vergewaltigt, aber zu Vergewaltigungen schweigt, bedeutet das, dass man sie akzeptiert.»

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