Hijab mit Nike-Logo: «Wer erobert hier wen?», fragte ein Kommentator. © enik

Hijab mit Nike-Logo: «Wer erobert hier wen?», fragte ein Kommentator.

Kontroverse um Kopftuch für Sportlerinnen

fs / 04. Apr 2017 - Der Hersteller Nike bringt ein atmungsaktives Kopftuch für muslimische Sportlerinnen auf den Markt. Die Reaktionen sind gespalten.

Anfang 2018 wird Nike als erster Weltkonzern einen Hijab für Sportlerinnen auf den Markt bringen. Dieser bedeckt Kopf und Hals, kann rasch angezogen werden und ist aus atmungsaktivem Material.

«Vorbilder für junge Frauen»

«Das verändert alles», sagte Manal Rostom, Triathletin aus Ägypten, gegenüber der «New York Times». Muslimische Sportlerinnen hätten bisher mit schweren Tüchern zu kämpfen gehabt, die verrutschten und schweisstreibend waren. Amna Al Haddad, Gewichtheberin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, spricht von einer «Revolution». Sie selber habe keine Athletinnen mit Kopftuch als Vorbilder gehabt. Das ändere sich jetzt und werde muslimische Mädchen ermutigen, Sport zu treiben. «Ohne den Druck von uns Athletinnen wäre das nicht geschehen», schrieb Al Haddad auf Instagram.

«Nike geht es nur ums Geschäft»

In den sozialen Medien hat die Ankündigung von Nike zu einer Kontroverse geführt. Die einen gratulierten, dass Nike es muslimischen Frauen ermöglichen will, Sport zu treiben. Das fördere deren Selbstständigkeit, Gesundheit und Akzeptanz in politisch angespannten Zeiten.

Andere kritisierten, dass Nike damit die Unterdrückung von Frauen fördere. Unter dem Hashtag #boycottNike rufen sie zum Boykott auf. Nike gehe es nur ums Geschäft und nicht um die Gleichberechtigung. «Glückwunsch, dass Nike die Unterdrückung von Frauen normalisiert. Widerlich». Eine andere Userin schrieb mit sarkastischem Unterton: «Neues Nike-Motto: Mach Sport. Wenn Dein männlicher Vormund es erlaubt.»

Zögerliche Sportverbände

An internationalen Wettkämpfen nehmen immer häufiger Sportlerinnen mit Kopftuch teil. Die Sportverbände handhaben die Kopftuch-Frage unterschiedlich. Der Weltverband der Gewichtheber (IWF) hat schon vor einigen Jahren seine Kleiderordnung geändert und das Kopftuch sowie die Ganzkörperbekleidung zugelassen. Der Fussball-Weltverband (Fifa) hat das Verbot des Hidschabs vor drei Jahren aufgehoben. Der Basketball Weltverband (FIBA) will nach jahrelangen Kontroversen und einer zweijährigen Testphase im kommenden Mai entscheiden, ob er den Hijab zulassen will.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

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Eine Meinung

Sehr geehrte Redaktion

Betreffend des Artikels «Kontroverse um Kopftuch für Sportlerinnen» geht mir als Mann ein Gedanke durch den Kopf.
Vielleicht sollten wir darüber Nachdenken, bei der Emanzipation der Frau...ob nun der Schweizer Frauen oder Islamischen Glaubens oder welcher auch immer, daran gehen weniger die Kleidungssymbole als fast einzig Sichtbares Symbol zu betrachten. Und stattdessen andere «Symbole» zum Thema der Gleichberechtigung zu machen. So z.B. die Frage der Individualbesteuerung. Wobei ich meine Zweifel habe dass dies das beste Beispiel ist um einzusteigen. Vielleicht gehört das Recht beim Sex auch Nein sagen zu dürfen, besser dazu. Ein nein dass vermutlich auch manche Schweizer Männer nicht so ohne wenn und aber akzeptieren. Wobei sich auch die Frauen als Gruppe vielleicht mehr «Zusammenraufen sollten"?
Nebst Äusserlichen Symbolen dürfte auch die Frage des Autofahren wohl eines sein, wobei es so eingebunden sein müsste, dass auch westlich Menschen mit anderen Gleichwertigen Themen betroffen wären. Dies um dem Vorwurf entgegen zu wirken, Parteiisch zu sein.
Doch wenn das Kopftuch als Symbol der Emanzipation entfällt wie kann dabei vermieden werden, dass der äussere Druck wieder steigt, als Frau ein Kopftuch tragen zu müssen? So wie dies meines Wissens in der Türkei oder in Ägypten geschehen ist?
Ist die Nacktheit oder die Freiheit die Haut zu zeigen, wirklich ein taugliches Symbol in der heutigen Zeit? Oder braucht es z.B. für eine bessere Transparenz in der Frage der Gleichberechtigung neue Symbole und Konkrete Forderungen, die Unabhängig von der Frage ob Islam oder Christentum bestehen können?
Nicht zuletzt deshalb um das Anliegen auch gegenüber den rechten Politik in Europa hochzuhalten. Denn auch wir in Europa und dem Christentum haben diese Frage der Gleichen Rechte von Mann und Frau oder Frau und Mann noch keinen sehr langen Weg hinter uns.

Freundliche Grüsse
Markus A. Bamert, Tuggen
Markus Bamert, am 06. April 2017 um 07:02 Uhr

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