Schwimmunterricht nur für Mädchen ist in Dänemark umstritten. © KH/startibune.com

Schwimmunterricht nur für Mädchen ist in Dänemark umstritten.

Kontroverse um getrennten Schwimmunterricht

bbm / 12. Mai 2016 - Ein Schwimmklub unterrichtet muslimische Mädchen und Jungen getrennt. Ob dies die Integration oder Parallelgesellschaften fördert, ist umstritten.

In Dänemark bietet der Schwimmklub HSK in Kopenhagen geschlechtergetrennten Unterricht an, damit auch muslimische Mädchen teilnehmen können. Das entspreche einem Bedürfnis und diene der Integration, sagte der Klubvorsitzende Lars Sørensen der Tageszeitung «Berlingske». Seit der Einführung des getrennten Unterrichtes habe sich eine grosse Zahl muslimischer Mädchen und Jungen neu angemeldet. Wenn die Mädchen schwimmen, verhüllt der Club auf Antrag der Eltern die Aussenfenster und die Türen zur Schwimmhalle.

«Rückschlag für Integration»

Der Schwimmklub HSK ist einer der grössten Sportklubs in Dänemark. Der getrennte Schwimmunterricht hat deshalb in der dänischen Öffentlichkeit für Diskussionen gesorgt. Der konservative Carl Christian Ebbesen, Kulturminister der Stadt Kopenhagen, kritisierte die Trennung als «Rückschlag für die Integration». Es gebe zu wenig Hallenschwimmbäder. Deshalb sei es «völlig verrückt», sie für die Öffentlichkeit zu schliessen, nur um den Bedürfnissen «religiöser Fanatiker» entgegen zu kommen. Muslimische Mädchen könnten wie alle anderen am gemischten Schwimmunterricht teilnehmen.

«Super cool»

Hingegen findet Rikke Laurtizen von der rot-grünen Liste den getrennten Schwimmunterricht «super cool». Es sei wichtig, dass Kinder unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft in Klubs und Vereinen mitmachen können. So lernten sie automatisch demokratische Prozesse kennen, die in den Vereinen praktiziert werden.

Dialog mit Eltern erforderlich

Für die christliche Tageszeitung «Kristeligt Dagblad» ist der getrennte Schwimmunterricht der «erste kleine Schubs», der die Mädchen auf den Geschmack von «mehr Freiheit und Gleichstellung» bringen kann. Man dürfe aber nicht erwarten, dass die Mädchen den Eltern von ihren Erfahrungen erzählen. Das überfordere Kinder. Deshalb müssten Schwimm- und Schullehrkräfte mit den Eltern über Gleichstellung sprechen. «Wenn es diesen Dialog nicht gibt, hat man keine Schranken eingerissen, sondern nur noch dickere Mauern zwischen den Parallelgesellschaften und der Gesellschaft errichtet.»

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