Der Katalog von Toy Planet bricht mit Klischees: Knabe spielt mit Puppe, Mädchen mit Motorrädern. © Toy Planet

Der Katalog von Toy Planet bricht mit Klischees: Knabe spielt mit Puppe, Mädchen mit Motorrädern.

Motorrad für Mädchen, Puppe für Knaben

fs / 15. Dez 2015 - Ein Spielzeug-Verkäufer in Spanien bricht im Katalog mit den traditionellen Geschlechterrollen. Einige Klischees bleiben.

Im Weihnachts-Katalog des spanischen Spielwarenhändlers Toy Planet spielen Mädchen beispielsweise mit Laserschwertern, Motorrädern und hämmern an einer Werkbank. Knaben bügeln, hantieren in Spielzeugküchen und schieben Kinderwagen. Toy Planet hat landesweit 200 Filialen und einen Online-Versandhandel. Geschäftsführer Ignacio Gaspar sagte «El Pais», die Kundschaft habe in einer Umfrage die traditionellen Geschlechterbilder kritisiert.

Traditionelle Überbleibsel

Knaben sind in der Mädchen-Spielzeugwelt von Toy Planet zu sehen und Mädchen in der Knaben-Spielzeugwelt. Der Katalog ist allerdings nicht ganz klischeefrei. So werben andere Hersteller wie Disney und Marvel im gleichen Katalog mit getrennten Welten für Mädchen und Knaben. Und Spielzeuge der Marke Toy Planet, die traditionell als Mädchen-Spielzeuge gelten wie Puppen und Schminke, sind oft rosarot.

Langsames Umdenken

Der Katalog von Toy Planet erscheint zum zweiten Mal mit Bildern, die traditionelle Geschlechterrollen aufbrechen. Er habe gehofft, dass andere Händler dem Beispiel folgen, was leider nicht der Fall sei, sagte Gaspar. Er habe zwar aus der Branche viel Lob erhalten, ein Umdenken finde aber nur sehr langsam statt. In anderen Katalogen seien vereinzelt Knaben nun auch beim Bügeln oder in Spielzeugküchen zu sehen und Mädchen spielen mit Bauklötzen. Wenig Hoffnung auf einen rasches Umdenken der Branche hat Tricia Lowther von der britischen Elterninitiative «Let Toys Be Toys» (Lasst Spielzeug Spielzeug sein): «Die Hersteller versprechen sich von der geschlechtsspezifischen Vermarktung höhere Gewinne. Eine rosa und eine blaue Version desselben Spielzeuges teilen Schwester und Bruder nicht. Das erhöht den Verkauf.»

Pionierinnen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Händler seinen Katalog von Klischees entrümpelt. In Frankreich hat vor drei Jahren die Supermarktkette Magasins U den Katalog angepasst. Eltern hätten sich beschwert, dass die traditionelle Rollenteilung veraltet sei, lautete die Begründung.

Im gleichen Jahr hat der dänische Spielwarenkonzern Top-Toy den Weihnachtskatalog von Toys’R’Us in Schweden umgestaltet. Man habe den Katalog den Werten der schwedischen Gesellschaft angepasst, hiess es damals. Und in den USA hatte der Protest einer damals 13-Jährigen Erfolg: Sie hatte öffentlich kritisiert, dass der Hersteller Hasbro seinen Spielzeug-Backofen nur in der Farbe pink-lila herstellte. Sie habe für ihren jüngeren Bruder einen Backofen kaufen wollen. Werbung und Design seien für Knaben jedoch völlig abschreckend.

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