Niloofar Ardalan mit ihrem Sohn nach einem Fussballspiel. © NA

Niloofar Ardalan mit ihrem Sohn nach einem Fussballspiel.

Mutige Sportlerin macht Reise-Verbot öffentlich

bbm / 05. Okt 2015 - Im Iran kritisiert eine bekannte Sportlerin, dass das Reiserecht Frauen diskriminiert. Sie verlangt eine Gesetzesänderung.

Niloofar Ardalan ist Captain (Spielführerin) der iranischen Fussballnationalmannschaft. Trotzdem durfte sie nicht zur Asien-Hallenfussball-Meisterschaft fahren, die Ende September in Malaysia stattfand. Ihr Pass war abgelaufen und ihr Ehemann hatte sich geweigert, die Papiere für einen neuen Pass zu unterzeichnen. Er begründete dies damit, dass während des Turniers der gemeinsame Sohn eingeschult werde und die Mutter dies nicht verpassen dürfe. Der Ehemann ist Sportjournalist und gilt laut iranischen Medien als Unterstützer des Frauenfussballs.

Kritik am Reiserecht

Seit der Islamischen Revolution 1979 sind Frauen im Iran in vielen Bereichen gesetzlich diskriminiert. So dürfen sie beispielsweise ohne Zustimmung des Ehemannes das Land nicht verlassen. Männer hingegen dürfen ohne Einwilligung ihrer Frauen verreisen. Niloofar Ardalan machte ihren Fall öffentlich. In einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur Nasim online kritisierte sie das diskriminierende Reiserecht. Sie habe nicht zum Spass verreisen wollen, sondern habe wochenlang trainiert, um den Iran am Turnier in Malaysia vertreten zu können. Mindestens für Sportlerinnen sollte es eine Ausnahmeregelung geben, forderte sie.

Unterstützung in sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken erhielt Niloofar Ardalan Unterstützung. Als auf Facebook viele den Ehemann kritisierten, verzichtete Ardalan von sich aus auf die Reise nach Malaysia. Gegenüber Nasim online wollte sie dies nicht begründen. Es handle sich um ihre «private Familienangelegenheit». Ardalan kritisierte «antirevolutionäre Medien», die ihren Fall für die eigenen Zwecke ausgenutzt hätten.

«Schweigen gebrochen»

Die iranische Frauenrechtsaktivistin und Anwältin Shadi Sadr, die wegen ihres Engagements mehrmals im Gefängnis war und mittlerweile im Ausland lebt, sagte «Radio Free Europe», der Fall von Niloofar Ardalan sei beispielhaft für die Diskriminierung der Frauen im Iran. Das diskriminierende Reiserecht betreffe auch Frauen, die in der Politik, im Sport oder in der Kultur eine Spitzenamt ausüben. Alle müssten für eine Reise ins Ausland die Einwilligung ihres Mannes haben. Ardalan habe das Schweigen gebrochen. «Das könnte andere Frauen ermutigen, die Diskriminierung von Frauen ebenfalls zu kritisieren.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden machen dies möglich.

Mit Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.