«Nein zu Gender»: Für die Demonstrierenden in Nantes ist die traditionelle Familie in Gefahr. © FranceTV

«Nein zu Gender»: Für die Demonstrierenden in Nantes ist die traditionelle Familie in Gefahr.

Schüler in Mädchenröcken lösen Proteste aus

bbm / 23. Jun 2014 - In Frankreich haben Ultrakonservative vor Schulen demonstriert, weil diese «Gender-Theorie» unterrichten würden.

An 27 Gymnasien in der westfranzösischen Stadt Nantes wurden Schülerinnen und Schüler aufgefordert, in Röcken zur Schule kommen. Unter dem Motto «Ce que soulève la jupe» (Der Rock wirft diese Fragen auf) sollte bei ihnen das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Vorurteile und Diskriminierungen geweckt werden. Hunderte Mädchen und Knaben machten mit und diskutierten in den Schulen über gleiche Rechte.

Feindbild «Gender-Theorie»

Vor den Schultoren protestierten Ultrakonservative lauthals gegen die Aktion. Hinter der Sensibilisierung für die Gleichberechtigung von Frau und Mann stehe die «Gender-Theorie», die alle Geschlechtsunterschiede leugne und Homosexualität propagiere. Die Schulbehörden gefährdeten mit der «Gender-Theorie» die traditionelle Familie. Anarchisten solidarisierten sich mit den Rock tragenden Schülerinnen und Schülern. Die Polizei musste sich zwischen die Fronten stellen, um Zusammenstösse zu verhindern.

Schulboykott wegen Lehrprogramm

Letztes Jahr hatte derselbe Aktionstag noch keine Proteste ausgelöst. Doch seither hat die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Frankreich einen Kulturkampf ausgelöst, der vor den Schulen nicht Halt macht, schreibt «Le Monde». So hatten ultrakonservative Kreise Anfang dieses Jahres landesweit zum Schulboykott aufgerufen. Mit der «Kampagne zum Verbot der Gender-Theorie» protestierten sie gegen das Lehrprogramm «ABCD der Gleichheit», das in diesem Schuljahr in rund 600 Schulklassen getestet wird. Es soll Schülerinnen und Schüler für geschlechtsspezifische Vorurteile sensibilisieren.

In der Schweiz hat die Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweizer Kantone den Begriff «Gender» aus dem Lehrplan 21, der die Lernziele festlegt, gestrichen. Der Begriff «Gender», der im Unterschied zum biologischen Geschlecht einer Person das gesellschaftlich geprägte Geschlecht bezeichnet, habe zu sehr provoziert. Der «Tages-Anzeiger» schrieb von «Gender-Bashing», das zu diesem Entscheid geführt habe.

In Deutschland demonstrierten Anfang dieses Jahres in Stuttgart Konservative gegen den Bildungsplan 2015 der grün-roten Landesregierung von Baden-Württemberg. Dieser soll das Thema sexuelle Vielfalt im Unterricht aufwerten. Das zerstöre die traditionelle Familie und fördere unmoralische Werte, sagen die Kritiker. Wie in Nantes musste sich die Polizei zwischen die Konservativen und linke Gegendemonstranten stellen, um Zusammenstösse zu verhindern.

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