Lebensechte Silikon-Puppe: «Entmenschlichung von Frauen». © ard

Lebensechte Silikon-Puppe: «Entmenschlichung von Frauen».

Silikon-Puppen sind die «ultimative Abwertung» von Frauen

fs / 22. Nov 2018 - Lebensechte Puppen sind kein harmloses Spielzeug, weil sie Frauen zu austauschbaren Objekten machen, sagen Kritikerinnen.

In Kanada wollte der Sexpuppen-Hersteller «Aura Dolls» ein Sexpuppen-Bordell eröffnen. Die Behörden der Stadt Toronto haben das Bordell zwar vorerst untersagt. Doch das Bordell werde kommen, sagt Megan Walker, Leiterin des kanadischen Frauenhauses «Abused Women’s Centre» im kanadischen London (Ontario). Andernorts gibt es solche Bordelle bereits. «Silikon-Sexpuppen sind der neuste Schrei auf dem Markt, der es Männern ermöglicht, ihre von Pornos befeuerten Phantasien in die Tat umzusetzen», schrieb Walker in einem Beitrag für die kanadische Webseite «Feminist Current».

Männliche Perspektive

Auf der Firmenseite von «Aura Dolls» heisst es zu den Puppen: «Jedes Loch hat eine andere, ja einzigartige Struktur, Oberfläche und Enge, um dir so intensive Gefühle zu bescheren, wie es nicht einmal mit einer echten Penetration möglich ist.» Sexpuppen und Sexroboter, die auch sprechen können, werden aus einer extrem männlichen Perspektive heraus entwickelt, sagt Kathleen Richardson. Sie forscht an der britischen De Montfort University in Leicester zu Ethik und Roboterkultur und hat die «Kampagne gegen Sexroboter» initiiert: «Sexroboter sind so programmiert, dass sie immer Lust haben, nie widersprechen und nur darauf aus sind, männliche Lust zu befriedigen. Das zeigt uns auf sehr verstörende Art und Weise, wie Frauen in unserer Gesellschaft als Sexobjekte gesehen werden», sagte Richardson in der «Süddeutschen Zeitung». Sexroboter verstärken laut Richardson den Trend, Frauen nicht mehr als Menschen zu sehen, sondern nur noch als Objekte, die dazu da sind, die Bedürfnisse von Männern zu erfüllen. «Dass Menschen überhaupt Sex mit einem Roboter haben wollen, zeigt uns, was in unserer Gesellschaft schiefläuft.»

«Entmenschlichung von Frauen»

Sexpuppen seien ein weiterer Schritt der «Entmenschlichung» von Frauen, schreibt Walker. Die Werbung benutze seit Jahren spärlich bekleidete Frauen und Mädchen. Und die Pornoindustrie vermittle Männern und Jugendlichen die Botschaft, dass sie mit Frauen alles machen können, auch gegen ihren Willen. Die austauschbaren Sexpuppen seien «die ultimative Abwertung von Frauen»: «Nachdem eine Puppe von dem einen Mann benutzt wurde, wird sie gesäubert und dem nächsten Benutzer gereicht. Wenn sie kaputt ist, verschlissen, abgenutzt und nicht länger brauchbar, wird sie mit dem restlichen Müll entsorgt. Hört sich an, wie das Leben zahlreicher realer Frauen, oder?»

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2 Meinungen

Was mich seit ich Kind bin (geb. 1941) so verstört ist dieses weltweit verbreitete Frauenbild (auch und insbesondere in den Religionen) dass Frauen für Männer «geschaffen» wurden. Was nach dem Sex mit der Frau passiert (ob er nun einvernehmlich ist oder nicht) ist ihnen überlassen. Verhütung wird verboten, Frauen die abgetrieben haben wurden exkommuniziert. Dazu gehört nun auch die neuste Äusserung des Papstes der im Zusammenhang mit Abtreibung von Auftragsmord sprich. Vom Mann der Sex haben wollte ist nicht die Rede.....Kein Wunder ist nun, nachdem Frauen mehr Selbstbewusstsein als Frau entwickeln, dass mann Roboterfrauen baut...…. es scheint mir nur eine neue Spielart der weltweiten Unterdrückung vom Mensch Sein (Roboter die Arbeiten verrichten) insbesondere vom Frau sein.
Martha Beéry, am 24. November 2018 um 08:52 Uhr
hallo - ich habe keine Ahnung, was man gegen Sex-Puppen unternehmen könnte. Vielleicht müsste ganz allgemein das Puppenspiel, das Spielen mit Puppen, betrachtet werden. Die Geschichte 'Lydia' aus dem Hörbuch 'Strafe' von Ferdinand von Schirach hat mir jedenfalls einen ziemlichen Stoss versetzt. Einen gefühlsmässigen wie einen gedanklichen!! Ausserdem identifiziere ich mich gar nicht mit einer Puppe - meiner Meinung nach wird beim Puppen-Thema das Männerbild herausgefordert, nicht das Frauenbild.
Sile Bigler, am 02. Dezember 2018 um 18:05 Uhr

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