Sandrine Salerno will den Frauensport besser unterstützen. © Radiolac

Sandrine Salerno will den Frauensport besser unterstützen.

Staat fördert hauptsächlich Männersport

fs / 04. Dez 2017 - Eine Schweizer Stadt will mit den staatlichen Subventionen mehr Sport treibende Frauen unterstützen, bei den Männern jedoch «idealerweise» keine Mittel kürzen.

In der Stadt Genf kommen 70 Prozent der staatlichen Fördergelder für den Sport Männern zugute. Dies geht aus einer Studie des Geografen Yves Raibaud von der Universität Bordeaux-Montaigne hervor, berichtet «Le Temps». Der Spezialist für Gleichstellungsfragen im öffentlichen Raum hat im Auftrag der Stadt die staatlichen Subventionen von jährlich 5,6 Millionen Franken (5 Millionen Euro) mit den Frauenanteilen der geförderten Vereine und Institutionen verglichen. Zusätzlich hat er die Antworten von 1600 Frauen ausgewertet, die einen Online-Fragebogen über ihre sportlichen Aktivitäten ausgefüllt haben.

Spitzenreiter Fussball

Bei den Fördergeldern handelt es sich einerseits um Subventionen für Vereine. Anderseits unterhält die Stadt Sportstätten wie einen Skatepark oder eine Eisbahn und bietet selber Sportkurse an. Bei den Vereinen fliessen mit Abstand am meisten staatliche Mittel in den Fussball, wo der Frauenanteil bei knapp fünf Prozent liegt. Dahinter folgen Basketball (Frauenanteil 26 Prozent) und Schwimmen (Frauenanteil 46 Prozent). Unter den 18 Sportarten mit den höchsten Subventionen ist nur eine, die mehrheitlich Frauen betreiben: Gymnastik (Frauenanteil fast 80 Prozent). In diese Sportart fliessen allerdings nur halb so viele Subventionen wie in den Fussball. 11 der 18 Sportarten haben einen Männeranteil von über 70 Prozent.

Frauen gehen in private Fitnesszentren

84 Prozent der Frauen, die den Online-Fragebogen ausfüllten, gaben an, Sport zu machen. Die Auswertung ihrer Antworten ergab: Die meisten treiben unabhängig von geförderten Vereinen und staatlichen Angeboten Sport. Sie laufen, schwimmen, fahren Rad oder gehen in private Fitnesszentren. Die Studie führt dieses Verhalten hauptsächlich auf Familienpflichten, berufliche Gründe und Geschlechterklischees zurück. Für Frauen sei es zudem oft schwierig, ein passendes Angebot in der Nähe zu finden.

«Idealerweise» keine Mittel kürzen

Laut Sandrine Salerno (SP), städtische Finanzministerin, stehen die geförderten Sportangebote theoretisch allen offen. Die Realität sei jedoch eine andere. Als Beispiel nennt sie den mit öffentlichen Geldern gebauten Skatepark. Dieser sei zu einem Ort geworden, den fast nur Männer nutzen. Salerno will ab dem nächsten Jahr Massnahmen prüfen, um das finanzielle Ungleichgewicht bei der Sportförderung auszugleichen. Laut dem städtischen Sportminister Sami Kanaan (SP) soll «idealerweise» niemandem Geld weggenommen werden. Stattdessen werde die Stadt mehr Frauen motivieren, die geförderten Angebote zu nutzen. Das könne zum Beispiel heissen, in Sportzentren Kinderkrippen einzurichten, Kurse für Erwachsene und ihre Kinder anzubieten oder den Skatepark für Frauen attraktiver zu machen.

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