Fox News bezeichnete die Kritik am traditionellen Männerbild als «liberale Ideologie». © fn

Fox News bezeichnete die Kritik am traditionellen Männerbild als «liberale Ideologie».

Gefühle verbergen und Frauen abwerten

fs / 07. Feb 2019 - Der weltweit grösste Psychologenverband warnt vor dem traditionellen Männerbild. Gefühle zu unterdrücken, könne Schäden verursachen.

Nachdem Monda das Frauenmagazin nicht übernehmen konnte, versuchte er, es indirekt auf Linie zu bringen. Er habe Scaraffia als «schwierige» Person diskreditiert und vatikantreue Autorinnen engagiert. Schliesslich gaben die elf Redaktorinnen dem Druck nach und traten kürzlich zurück. «Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens umgeben fühlen, in dem uns zunehmend die Legitimation abgesprochen wird», heisst es in einem offenen Brief an Papst Franziskus. Eine vitale Stimme werde zum Schweigen gebracht. «Man kehrt zu der antiquierten und unfruchtbaren Methode der Befehle von oben und der klerikalen Selbstbezogenheit zurück.» Im letzten Editorial, das im April erscheinen wird, kritisiert das Redaktionsteam diese «Männer-Kontrolle»: «Sie wählen linientreue Frauen aus und geben die Meinungsfreiheit auf, die Papst Franziskus immer wieder fordert.» In einer Erklärung wies Chefredaktor Monda alle Vorwürfe als unbegründet zurück. Er habe der Redaktion lediglich «Themen und Personen für eine eventuelle Mitarbeit» vorgeschlagen.

«Traditionelles Männerbild ist schädlich»

Zum traditionellen Verständnis von Männlichkeit gehört laut dem Psychologenverband insbesondere, dass Männer keine Schwächen und Emotionen zeigen sollen und Frauen abzuwerten sind. Ein solches Männerbild schränke die Entwicklungsmöglichkeiten von Männern schon früh ein und erhöhe die Gefahr, dass Männer sich selber und anderen Personen schaden, etwa durch Drogenkonsum und Gewalt.

Gesellschaft prägt Männerbild

Mit den neuen Richtlinien für Therapien will der Verband seine Mitglieder dafür sensibilisieren, dass Männlichkeit ein von der Gesellschaft geprägtes Konstrukt ist. Man müsse verstehen, dass Macht und Privilegien Männern einerseits zugute kommen, ihnen aber anderseits auch schaden. Ärztinnen und Ärzte sollen Jungen und Männer unvoreingenommen von einem schädlichen Männlichkeitsbild behandeln. «Wenn wir die Männer ändern, können wir die Welt ändern», sagte der Psychologe Ryon McDermott, Mitverfasser der APA-Richtlinien. Konservative US-Medien kritisierten die Richtlinien als «liberale Ideologie». Der TV-Sender Fox News beispielsweises behauptete, dass ohne männliche Aggressivität und Entschlossenheit die Menschen immer noch in Höhlen leben würden. Man dürfe männliche Eigenschaften nicht als negativ bewerten.

Männer sind die Norm

Richtlinien für die Arbeit mit Mädchen und Frauen hat der Psychologenverband bereits vor über zehn Jahren veröffentlicht. Es folgten Richtlinien für die Arbeit mit anderen Personengruppen wie Homosexuellen, Transgender, Kindern, älteren Menschen und ethnischen Minderheiten. Männer sind die Norm und fanden wohl deshalb erst verspätet Beachtung beim Psychologenverband.

Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden machen dies möglich.

Mit Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)

Eine Meinung

Die Diagnose des falschen Männerbilds und seiner schädlichen Folgen ist ebeno richtig wie reichlich verspätet. In Europa läuft die Aufklärung in diesem Sinn seit mehr als 40 Jahren, von Seiten feministsich reflektierter Psychotherapie und emanzipatorisch denkenden PhilosophInnen.
Carola Meier Seethaler, am 18. Februar 2019 um 21:03 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.