Sohair starb während einer Genitalverstümmelung in einer Klinik. © WCGLA

Sohair starb während einer Genitalverstümmelung in einer Klinik.

Genitalverstümmelung: 2 Jahre Haft für Arzt

fs / 04. Feb 2015 - In Ägypten ist erstmals ein Arzt zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er einem Mädchen die Genitalien verstümmelt hat. Das Urteil gilt als bahnbrechend.

Die 13-Jährige Sohair starb, nachdem der Arzt in einer Klinik in Kairo sie verstümmelt hatte. Diese brutale Praxis ist in Ägypten seit 2008 verboten. Bisher hatten Ärzte und Eltern jedoch wenig zu befürchten. So hatte die erste Instanz sowohl den Arzt als auch den Vater von Sohair freigesprochen. Der Arzt hatte behauptet, das Mädchen wegen einer Genitalwarze behandelt zu haben.

Vater auch verurteilt

Das Berufungsgericht hat nun ein Zeichen gesetzt und den Arzt zu zwei Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Dazu kommen drei Monate, weil der Arzt eine Genitalverstümmelung durchgeführt hat. Seine Praxis soll ein Jahr lang geschlossen werden. Der Vater von Sohair, der sie in die Klinik gebracht hatte, wurde zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

«Sieg für die Frauen»

Anwältin Reda el-Danbouki sprach von einem «Sieg für die Frauen». Suad Abu-Dayyeh, Sprecherin der Frauenrechtsorganisation «Equality Now» sagte, es sei fantastisch, dass Sohair doch noch Gerechtigkeit erfahren habe: «Das Urteil zeigt, dass Ägypten seine Gesetze durchsetzt. Wir hoffen, dass dies der erste Schritt ist, diese extreme Form der Gewalt gegen Frauen endgültig zu beenden.» Die Gynäkologin Randa Fakhr Eddin, Vorsitzende der «Koalition von Nichtregierungsorganisationen gegen weibliche Genitalverstümmelung» sagte, der Prozess sei ein wichtiger Schritt, um Familien, Polizei und Staatsanwaltschaft bewusst zu machen, dass Genitalverstümmelung kein medizinischer Eingriff, sondern ein gewaltsamer Übergriff auf Frauen sei.

Todesfälle verschleiert

Nach Schätzungen des Uno-Kinderhilfswerks Unicef sind in Ägypten 91 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren verstümmelt. Im Unterschied zu anderen Ländern finden die meisten Verstümmelungen laut Unicef in Kliniken statt. Dabei werden meist im Kindesalter Klitoris und Schamlippen der Mädchen entfernt. Wie viele dabei ums Leben kommen, weiss niemand. In forensischen Berichten werden meist andere Todesursachen genannt. Bei Sohair ist von einer Allergie auf Penizillin die Rede gewesen. Das ist laut Unicef eine gängige Angabe auf dem Totenschein um zu verschleiern, dass ein Mädchen wegen einer Genitalverstümmelung gestorben ist.

In Uganda sind Ende letzten Jahres erstmals fünf Angeklagte, darunter vier Frauen, wegen Genitalverstümmelung zu je vier Jahren Haft verurteilt worden. In Uganda ist Genitalverstümmelung seit 2010 verboten.

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