«Roses Revolution Day»: Rose mit Begleitbrief vor einer Geburtsabteilung. © ES

«Roses Revolution Day»: Rose mit Begleitbrief vor einer Geburtsabteilung.

Am Pranger: Übergriffe während der Geburt

fs / 25. Nov 2019 - Betroffene wollen am «Roses Revolution Day» das Tabu «Gewalt in der Geburtshilfe» brechen. Er findet zeitgleich mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

An diesem jährlichen globalen Aktionstag legen Frauen rosafarbene Rosen vor Geburtsabteilungen, wo sie selber körperliche oder seelische Gewalt erlitten oder miterlebt haben. Sie machen ein Foto und veröffentlichen dieses in den Social Media. Der Aktionstag wurde 2013 in Belgien initiiert und findet mittlerweile auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich am 25. November statt, zeitgleich mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

Gebärende erleben Eingriffe als Übergriffe

Eingriffe am Körper ohne Einwilligung oder Vorliegen eines Notfalls und Gewalt sind in der Medizin eigentlich unvorstellbare Körperverletzungen. Doch bei fast jeder zweiten Geburt kommt es weltweit zu Übergriffen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Offizielle Statistiken gibt es nicht. Betroffene berichten von verbalen Demütigungen, grober Behandlung, Dammschnitten ohne Einwilligung, voreiligen Kaiserschnitten, schmerzhaften Vaginal-Untersuchungen, oder Ärzten, die sich ohne Vorwarnung mit ihrem ganzen Gewicht auf den Bauch der Frauen legen, um die Geburt zu beschleunigen. Gebärende erleben solche Eingriffe als Übergriffe, weil sie vorher nicht informiert und um Einwilligung gebeten wurden. Auch Hebammen berichten von Gewalt in Geburtsabteilungen. Hebamme Tara Franke: «Es ist nicht üblich, die Frau vor jeglicher Untersuchung um Erlaubnis zu bitten und ein Nein zu akzeptieren. Frauen und Paare, die vom vorgesehenen Prozedere abweichen möchten, werden eher als Störfaktoren wahrgenommen.»

Kein Verständnis für Betroffene

Unter Gewalt in der Geburtshilfe leiden viele Betroffene jahrelang, wie die deutsche Soziologin Christina Mundlos im Buch «Gewalt unter der Geburt – Der alltägliche Skandal» schildert. Ein Grund für die Gewalt ist laut Expertinnen wie Mundlos der Stress in den Geburtsabteilungen: «Wenn Menschen unter Druck stehen, neigen sie eher dazu, übergriffig zu werden.» Betroffene schweigen aus Scham wie andere Gewaltopfer. Mundlos: «Bei Gebärenden kommt noch hinzu, dass ihnen oft mit Unverständnis begegnet wird, wenn sie auch nur andeuten, dass ihre Geburtserfahrung kein erfüllendes Erlebnis war.»

«Das Gefühl des Missbrauchs dauert bis heute an»

Als Mundlos selber ihr erstes Kind gebar, führte die Ärztin einen Dammschnitt durch, obwohl sie einen solchen ausdrücklich ablehnte. Sie litt wochenlang an starken Schmerzen. «Das Gefühl der Wut, der Ohnmacht und des Missbrauchs dauern bis heute an.» Christina Mundlos: «Es gibt nur eine Möglichkeit wie die Gewalt vermindert und die Gleichberechtigung gestärkt werden kann: Der politische Protest muss weitergehen.» In einigen südamerikanischen Ländern wie Argentinien, Mexiko und Venezuela ist Gewalt in der Geburtshilfe ein Straftatbestand, berichtet «euronews». Im deutschsprachigen Raum ist diese Form der Gewalt noch nicht einmal ein Thema auf politischer Ebene.

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keine

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