Adoptivtocher Dylan Farrow beschuldigt Woody Allen, sie als Kind missbraucht zu haben. © MF

Adoptivtocher Dylan Farrow beschuldigt Woody Allen, sie als Kind missbraucht zu haben.

«Aussagen von Frauen endlich ernst nehmen»

fs / 25. Okt 2017 - Der Bruder eines Opfers hat massgeblich dazu beigetragen, den Hollywood-Skandal aufzudecken. Das ist kein Zufall.

Schauspielerinnen beschuldigen den Film-Produzenten Harvey Weinstein, sie sexuell belästigt, bedrängt oder vergewaltigt zu haben. Viele haben lange geschwiegen oder schweigen bis heute, um ihre Karrieren nicht zu gefährden.

Patriarchale Strukturen

Opfer von sexuellen Übergriffen schweigen meistens, weil sie wissen, dass man ihnen nicht glaubt. Ursache für dieses Verhalten seien die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft, schreibt die feministische US-Autorin Naomi Wolf im «Guardian». Bei sexuellen Übergriffen stehe oft nicht das Verhalten der Täter sondern das Verhalten der Opfer im Fokus: Was hat die Frau getragen? War sie in den Mann verliebt? Was ist ihre Motivation? Weshalb lässt sie die Anschuldigung nicht fallen?

«Klappe halten»

Im Fall Weinstein war der Journalist und Jurist Ronan Farrow massgeblich an der Aufdeckung der Übergriffe beteiligt. Er richtete den Fokus auf den Täter und blieb hartnäckig, auch nachdem Weinstein die Veröffentlichung seiner monatelangen Recherchen beim TV-Sender NBC verhindern konnte. Das Engagement von Ronan Farrow ist kein Zufall: Er ist der leibliche Sohn von Woody Allen und Mia Farrow. Adoptivtochter Dylan Farrow beschuldigte Anfang der neunziger Jahre als Siebenjährige ihren Adoptivvater Woody Allen, sie missbraucht zu haben. Ihr Bruder Ronan stützte ihre Aussagen öffentlich. Doch für Woody Allen hatten die Vorwürfe kaum Folgen. Weinstein half ihm, im Filmbusiness wieder Fuss zu fassen. Jahre später schrieb Dylan Farrow in einem offenen Brief, sie habe lange nicht verstanden, weshalb Hollywood kollektiv weggeschaut habe. «Es fühlte sich an, als ob mir all die Awards und Lobreden sagen sollten, dass ich die Klappe halten und abhauen sollte.»

«Fakten ernst nehmen»

Für Dylan’s Bruder Ronan Farrow war der offene Brief ein Anlass, um in den Journalismus einzusteigen. Das «Kartell des Schweigens» treffe seine Schwester tief, sagte er. Diese Stille zeige den Opfern wer wichtig sei und wer nicht. Es brauche einen kulturellen Wandel, damit die Aussagen von Frauen wie diejenigen seiner Schwester endlich ernst genommen werden. Die Medien hätten geholfen, eine «Kultur der Straflosigkeit und des Schweigens» zu schaffen. «Die Rolle eines Reporters ist sicher nicht, der Wasserträger für diese Frauen zu sein. Aber es ist unsere Pflicht, in unseren Berichten die Fakten zu nennen und sie ernst zu nehmen.»

Täter unterstützen sich

Dazu gehört laut Ronan Farrow auch, dass in Hollywood Täter sich gegenseitig unterstützen. Als der Regisseur Roman Polanski 2009 in der Schweiz wegen Vergewaltigungsvorwürfen verhaftet worden war, unterschrieben neben anderen Persönlichkeiten aus dem Filmbusiness auch Woody Allen und Harvey Weinstein eine Petition für seine Freilassung. Jetzt hat Woody Allen der BBC gesagt, es sei schwierig einzuschätzen, ob an den Anschuldigungen gegen Weinstein etwas dran sei. «Du hörst eine Million fantasievolle Gerüchte, immer wieder. Und einige stellen sich dann als wahr heraus und einige - viele - sind dann bloss Geschichten, die man über diese Schauspielerin oder jenen Schauspieler hört.»

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