Häusliche Gewalt kann man früher stoppen, sagen Fachfrauen. © EU

Häusliche Gewalt kann man früher stoppen, sagen Fachfrauen.

Bei häuslicher Gewalt früher eingreifen

fs / 06. Mär 2015 - In Grossbritannien erhalten Opfer häuslicher Gewalt erst nach fast drei Jahren professionelle Hilfe. Das wäre früher möglich, kritisieren Fachfrauen.

Die britische Organisation «SafeLive» hat die Fälle von 35'000 Erwachsenen analysiert, die seit 2009 in Grossbritannien Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Danach dauerte es im Durchschnitt 2,7 Jahre, bis diese professionelle Hilfe erhielten. Im Jahr zuvor hatten 85 Prozent der Opfer durchschnittlich fünf Kontakte mit professionellen Stellen wie Polizei, Ärzten und Notaufnahmestellen. Niemand erkannte sie als Opfer häuslicher Gewalt.

Verpasste Gelegenheiten

Die Analyse zeige, dass häusliche Gewalt früher gestoppt werden könne, sagte «SafeLive»-Geschäftsführerin Diana Barran im «Guardian». Es sei inakzeptabel, dass Opfer nicht rascher Hilfe erhalten. «Jedes Gespräch mit einer professionellen Stelle war eine verpasste Gelegenheit, um Opfern und ihren Kindern zu helfen.»

Bessere Schulung

Viele Frauen würden nicht von sich aus über häusliche Gewalt sprechen, sagte Kommissarin Vera Baird im «Guardian». Häusliche Gewalt sei nicht zwingend eine brutale Attacke. Oft würden die Opfer jahrelang kontrolliert, isoliert, unter Druck gesetzt und missbraucht. Nur wenige würden von sich aus darüber sprechen. Polizei, Ärzte, Notaufnahmestellen und andere Professionelle müssten deshalb besser geschult werden, damit sie Opfer häuslicher Gewalt erkennen und sie behutsam darauf ansprechen können.

Screening einführen

In der Schweiz fordert Sibil Tschudin, Leitende Ärztin an der Frauenklinik des Unispitals Basel, dass Ärztinnen und Ärzte Patientinnen beim Aufnahmegespräch routinemässig auf häusliche Gewalt ansprechen. Alle Ärztinnen und Ärzte könnten davon ausgehen, dass zehn Prozent ihrer Patientinnen Erfahrungen mit häuslicher Gewalt haben, schreibt Tschudin in der «Schweizerischen Ärztezeitung». Das «belastende Thema» werde allerdings in der ärztlichen Aus- und Fortbildung «immer wieder gerne an den Rand gedrängt». Schweizweit ist die Frauenklinik am Triemlispital in Zürich die einzige Institution des Gesundheitswesens, die Frauen routinemässig nach häuslicher Gewalt fragt.

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