Ein Anstieg häuslicher Gewalt erwarten Expertinnen auch in Europa. © EU

Ein Anstieg häuslicher Gewalt erwarten Expertinnen auch in Europa.

Corona-Quarantäne: Häusliche Gewalt nimmt zu

fs / 24. Mär 2020 - Während der Ausgangssperre nimmt Gewalt gegen Frauen zu, wie Berichte aus China zeigen. In Europa fordern Fachfrauen, jetzt schnell zu handeln.

In der Provinz Hubei, wo das Corona-Virus erstmals bei Menschen auftrat, erhielt eine NGO-Frauenorganisation gegen häusliche Gewalt seit der Ausgangssperre doppelt so viele Hilferufe von Betroffenen wie im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Dies berichtet das englischsprachige chinesische Online-Magazin «Sixth Tone».

Betroffene bleiben in Wohnung «gefangen»

Die NGO führt die rasante Zunahme darauf zurück, dass wegen der Ausgangssperre Konflikte eskalieren, weil die Leute Angst haben und Verdienstausfälle befürchten. Erschwerend komme hinzu, dass Unterstützungsangebote für Betroffene nicht mehr zugänglich sind. So seien zum Beispiel Frauenhäuser umfunktioniert worden in Obdachlosenhäuser. Andere Aktivistinnen warnten auf dem sozialen Netzwerk «Weibo», dass Betroffene wegen der Quarantäne und Reisebeschränkungen keinen Unterschlupf bei Verwandten oder Bekannten finden können und deshalb in der eigenen Wohnung «gefangen» sind.

Gewalttäter auch während Pandemie zur Verantwortung ziehen

Feng Yuan von der Pekinger NGO-Frauenorganisation «Weiping» stellte ebenfalls fest, dass die Zahl der Hilfesuchenden deutlich gestiegen ist. Sie forderte die Polizei auf, Fälle häuslicher Gewalt trotz der Viruskrise ernst zu nehmen und Hilfesuchende nicht abzuweisen. Wenn die Polizei trotz Epidemie Personen verfolgen könne, die Experten beleidigen oder auf der Strasse keine Maske tragen, müsse sie auch Personen zur Verantwortung ziehen können, die Frauen und Kinder schlagen, sagte Feng Yuan gegenüber «Sixth Tone». Zeuginnen und Zeugen häuslicher Gewalt rief sie auf, Betroffene zu unterstützen. Es sei sehr wichtig, dass diese ihre Rechte kennen. Laut offiziellen Statistiken hat in China jede dritte verheiratete Frau schon einmal häusliche Gewalt erlebt. Diese ist erst seit 2016 ein Straftatbestand.

«Es wird dramatisch»

Wegen des Coronavirus gelten nun auch in zahlreichen europäischen Ländern Ausgangsbeschränkungen. Fachleute rechnen deshalb mit einer Zunahme von häuslicher Gewalt.

In der Schweiz hat der Kanton Zürich bereits reagiert. Er will mehr Plätze und Betten für Opfer von häuslicher Gewalt zur Verfügung stelle, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht. Der Kanton fordert die Organisationen im Bereich der Opferhilfe auf, zusätzliches Personal einzustellen und zusätzliche Unterkünfte anzumieten. Die Kosten würden durch das kantonale Sozialamt und die Fachstelle Opferhilfe garantiert, auch der zusätzliche Aufwand in den Frauenhäusern werde übernommen.

In Deutschland kämpfen Frauenhäuser seit Jahren vergeblich um eine ausreichende Finanzierung. Plätze sind deshalb nun Mangelware. Sylvia Haller von der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) sagte gegenüber «Emma»: «Es wird dramatisch. Je früher wir uns das bewusst machen, desto schneller können wir handeln.» Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, fordert, schnell Notunterkünfte bereitzustellen, in denen Betroffene Unterstützung erhalten. «Das ist für Frauen überlebenswichtig.»

In Österreich sagte Justizministerin Alma Zadić (Grüne), dass der Rechtsschutz für Betroffene trotz Corona-Krise nicht ausgehöhlt werden dürfe. Die Polizei spreche weiter Annäherungsverbote aus und vollziehe Wegweisungen. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte, alle Bundesländer hätten zugesichert, bei Engpässen in Frauenhäusern Plätze für Betroffen bereitzustellen. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser (AÖF), sagte im «Standard»: «In Familien, in denen sowieso Gewalt vorherrscht, wird es in nächster Zeit vermutlich noch mehr eskalieren.» Familien lebten nun den ganzen Tag zusammen und möglicherweise sei der Arbeitsplatz bedroht oder bereits verloren. Soziale Kontakte ausserhalb der Familie gebe es kaum noch.

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