ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann wird schon beschimpft, bevor sie ihre Arbeit macht. © obs/ZDF/Peter Kneffel

ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann wird schon beschimpft, bevor sie ihre Arbeit macht.

«Dieser Frauenhass sprengt alle Grenzen»

fs / 28. Jun 2018 - Eine junge Schauspielerin kann die Anfeindungen nicht mehr ertragen und zieht sich aus den sozialen Medien zurück. Andere Frauen widerstehen den Attacken.

Schauspielerinnen, Politikerinnen, Journalistinnen: Frauen, die sich in der Öffentlichkeit exponieren, müssen mit üblen Beschimpfungen und Drohungen rechnen, weil sie Frauen sind. Eine Dimension des Hasses im Netz, die Männer nicht kennen.

«Das ist unterste Schublade»

Zwei aktuelle Beispiele:

  • ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann wird schon mit Hass-Kommentaren eingedeckt, bevor sie an der Fussball-Weltmeisterschaft ein Spiel kommentiert. Die Attacken sind so aggressiv, dass ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann öffentlich reagiert hat. Er akzeptiere Kritik, aber was bei Claudia Neumann passiere, sprenge alle Grenzen: «Hier wird offensichtlich etwas Grundsätzliches berührt: Eine Frau kommentiert ein Spiel der Männer-WM. Manche drehen da im Netz völlig durch, das ist unterste Schublade.» Neumann selber will zurzeit nichts zu den frauenfeindlichen Kommentaren sagen.
  • Die junge US-Schauspielerin Kelly Marie Tan hat sich kürzlich aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Eine Gruppe «wahrer» Fans der Star-Wars-Filmreihe hatte dazu aufgerufen, die Schauspielerin mit Hass-Kommentaren einzudecken. Anlass ist, dass in den neuen Episoden der Filmreihe Frauen wie Kelly Marie Tan Heldinnen sind. Die Gruppe fordert die Rückkehr der «heterosexuellen, weissen, männlichen Helden».

Unterschiedliche Strategien

Die Strategien von betroffenen Frauen gegen den Frauenhass im Netz sind unterschiedlich. Ein Rückzug aus den sozialen Medien ist für die meisten keine Option. In Deutschland hat die Politikerin Renate Künast Hater unangemeldet zu Hause besucht. In Österreich schreibt die Journalistin und TV-Moderatorin Corinna Milborn Hatern zurück, sagte sie im «Standard». Einmal habe sie einen Mann zu Hause besucht, der ihr eine schlimme Vergewaltigungsdrohung geschickt habe. Persönlich darauf angesprochen, sei es dem Mann «extrem peinlich» gewesen.

Screenshots an Verwandte schicken

Berivan Aslan, frühere Parlamentsabgeordnete und Frauensprecherin der Grünen in Österreich, versucht, Frauenhasser mit technischen Mitteln zu bremsen, wie beispielsweise dem Blockieren von Personen. «Hin und wieder mache ich Screenshots, die ich an Verwandte des Beleidigers schicke – soweit auf Facebook-Seiten dieser Person Verwandte ersichtlich sind. Ich will ihnen so zeigen, wie sich ihr Angehöriger gegenüber Frauen benimmt – das wirkt.»

«Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen»

In der Schweiz ist Jolanda Spiess-Hegglin, frühere Abgeordnete im Kantonsparlament Zug, besonders heftig attackiert worden. Sie zeigt konsequent Personen an, welche auf sozialen Medien wie Facebook oder Twitter strafrechtlich relevante Hasskommentare und Drohungen gegen sie posten. Spiess-Hegglin: «Es braucht den Schock einer Vorladung auf Beamtenpapier. So wird den Hatern bewusst: Sie sind nicht mehr in ihrer Filterblase, sie sind in der realen Welt. Und sie sind greifbar.» Frauen seien für männliche Wutbürger eine Provokation, sagte Spiess-Hegglin im «Tages-Anzeiger»: «Sie versuchen, uns mit Hass zum Schweigen zu bringen, und wenn wir uns nicht wehren, wird genau das passieren.»

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