Leiterin Jael Bueno will das Frauenhaus Aargau-Solothurn öffentlich zugänglich machen. © SZ

Leiterin Jael Bueno will das Frauenhaus Aargau-Solothurn öffentlich zugänglich machen.

Frauenhaus-Adresse nicht mehr geheim

fs / 14. Nov 2014 - Opfer von häuslicher Gewalt sollen in einem offenen Haus untergebracht werden. Diesen Systemwechsel plant ein Frauenhaus in der Schweiz.

Die Adressen von Frauenhäusern sind in der Regel geheim, um die Bewohnerinnen zu schützen. Das Frauenhaus Aargau-Solothurn will dies nun ändern. Das Frauenhaus soll öffentlich zugänglich und mit Farbe sichtbar gemacht werden. Opfer häuslicher Gewalt sollen sich nicht mehr verstecken müssen, sagte Leiterin Jael Bueno der «NZZ am Sonntag». Ziel sei es, häusliche Gewalt zu enttabuisieren. Für viele Frauen sei der Gang ins Frauenhaus heute mit Scham behaftet. Dies erschwere es ihnen, ihr Selbstvertrauen wieder zu finden.

Gewaltspirale durchbrechen

Häusliche Gewalt sei nicht ein individuelles Problem, sondern eines, das insbesondere auch den gewalttätigen Mann etwas angehe, sagt Isabelle M. Derungs, Siftungsrätin des Frauenhauses Aargau-Solothurn. Deshalb wolle das Frauenhaus auch mit den Tätern arbeiten. Täter und Opfer müssten lernen, mit Konflikten gewaltfrei umzugehen. Derungs: «Der neue Ansatz soll die Gewaltspirale durchbrechen.»

Grenzen der neuen Methode

In der Schweiz praktiziert das Frauenhaus Malley-Prairie in Lausanne bereits einen «systemischen Ansatz». Die Adresse des Hauses ist nicht mehr geheim. Eine Eingangskontrolle und ein Sicherheitsdienst sorgen für die Sicherheit der Bewohnerinnen. Beraten werden die Opfer häuslicher Gewalt zusammen mit den Tätern. Direktorin Isabelle Chmetz: «Es hat sich bewährt, nicht mehr auf den Mann als Täter zu fokussieren, sondern auf die Ursachen der Gewalt, die beide Seiten betreffen.» Die Methode stosse allerdings an Grenzen, wenn bei einem Paar ein destruktiver Partner die Oberhand habe. Solche Paare berate das Frauenhaus nicht.

Hoher Sicherheitsstandard erforderlich

Susan A. Peter, Vorstandsmitglied des Dachverbands Frauenhäuser Schweiz, sagte in der «NZZ am Sonntag», dass es weiterhin Frauenhäuser mit hohem Sicherheitsstandard brauche. Wer sich in Lebensgefahr befinde, sei in offenen Frauenhäusern schlecht aufgehoben: «Die meisten Frauen kommen wegen schwerer körperlicher oder sexueller Gewalt ins Frauenhaus – nicht wegen einer Ohrfeige.»

Vorbild aus den Niederlanden

Vorbild für das offene Frauenhaus ist das «Oranje Huis» im niederländischen Alkmaar. Seit drei Jahren ist dessen Adresse nicht mehr geheim. Verschiedene Sicherheitsstufen innerhalb des Hauses sorgen jedoch dafür, dass die Betroffenen je nach Gefährdungsgrad geschützt sind. Das Haus kann nur über einen gesicherten Eingang betreten werden. Es gibt Überwachungskameras und ein Alarmsystem.

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Eine Meinung

Und was sagen die gewaltbetroffen Frauen zu dieser toleranten Haltung gegenüber misshandelnden Männern? Und wie wirkt sich diese Änderung auf die meist schwer traumatisierten Kinder aus?. Walpurga Kubik-Breznik
Walpurga Kubik, am 14. November 2014 um 11:01 Uhr

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