Natalie Rickli wird in einem Rap übel beschimpft. © srf

Natalie Rickli wird in einem Rap übel beschimpft.

Ringen um Strafmass für frauenverachtenden Rap

fs / 15. Sep 2017 - Die Klage einer Schweizer Politikerin gegen sexistische Beschimpfungen in einem Rap-Song blieb weitgehend erfolglos. Die Staatsanwaltschaft akzeptiert dies nicht.

Mitglieder des Rap-Kollektivs «Chaostruppe» haben Natalie Rickli, konservative SVP-Abgeordnete im Bundesparlament, in einem Song sexistisch beschimpft und zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte die Musiker wegen Beschimpfung, aber nicht wegen sexueller Belästigung. Die zuständige Staatsanwaltschaft zieht das Urteil deshalb weiter.

Sexuelle Belästigung

Im Song «Natalie Rikkli» heisst es unter anderem, Rickli sei vielleicht ganz in Ordnung, wenn sie nur wieder einmal «richtig» gefickt würde. Die 40-jährige Nationalrätin wird als «Schlampe» bezeichnet und auf vulgärste Weise zum Oral- und Gruppensex aufgefordert. Einer der Rapper bezeichnete sich als «Sozialist». Rickli erstattete Anzeige wegen Beschimpfung, Verleumdung und sexueller Belästigung. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern gab der Politikerin recht und sprach fünf Mitglieder des Rap-Kollektivs per Strafbefehl wegen Verleumdung, Beschimpfung und sexueller Belästigung schuldig. Die Betroffenen erhoben jedoch Einsprache gegen den Strafbefehl.

Keine sexuelle Belästigung

Das Regionalgericht Bern-Mittelland entschied, dass es sich beim Rap einzig um Beschimpfung, und nicht auch um Verleumdung und sexuelle Belästigung handelt. Es verurteilte die Musiker zu einer bedingten Geldstrafe. Die fünf Angeklagten hatten bereut und sich bei der Klägerin entschuldigt. Der «SonntagsBlick», der den Prozess vor Gericht verfolgt hatte, sprach von einem «Kniefall», der seine Wirkung nicht verfehlt habe. Auf das milde Urteil hätten die Rapper und ihr Anhang im Gerichtssaal «mit kaum verhohlener Genugtuung» reagiert. Die Staatsanwaltschaft hat nun angekündigt, das Urteil vor dem Obergericht des Kantons Bern anzufechten. Sobald das schriftliche Urteil vorliegt, werde sie entscheiden, ob sie das Urteil ganz oder nur in Teilen anfechten wird.

«Ich fühle mich in meiner Würde verletzt»

Die «Chaostruppe» hatte den Song und ein dazu gehörendes Video letztes Jahr veröffentlicht. Natalie Rickli: «Als ich das Lied hörte, war ich schockiert und betroffen. Wie kann man nur so über Frauen denken und sie auf diese Weise beschimpfen und sexuell belästigen?» Auf Facebook schrieb die Nationalrätin, sie habe mit der Anzeige darauf aufmerksam machen wollen, «wo die Grenze der Angriffe auf Politikerinnen und auf Frauen generell ist». Der Song habe keinen politischen Inhalt, «sondern beleidigt mich aufs Übelste, und ich fühle mich in meiner Würde verletzt». Für eine Politikerin gehöre es dazu, Angriffen ausgesetzt zu sein. Aber solche Beschimpfungen lasse sie sich nicht bieten.

Vergewaltigungsfantasien

Der frauenverachtende Song der «Chaostruppe» ist keine Ausnahme. In unzähligen Raps werden Frauen als Schlampen und Nutten beschimpft und die Rapper lassen ihren Vergewaltigungsfantasien freien Lauf. Zu ihnen gehören auch deutschsprachige Rapper wie Bushido, der im Song «Dreckstück» rappt: «Nur weil du eine Frau bist und man dir in den Bauch fickt, heisst das nicht, dass ich dich nicht schlage, bis du blau bist». In Deutschland hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den frauenverachtende Song auf den Index gesetzt. Trotzdem ist er weiterhin auf Youtube zu hören.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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