Azmina Dhrodia von Amnesty fordert, Frauen besser vor Online-Attacken zu schützen. © ORG

Azmina Dhrodia von Amnesty fordert, Frauen besser vor Online-Attacken zu schützen.

Hass gegen Frauen untergräbt Meinungsfreiheit

fs / 14. Dez 2017 - Frauen, die in den sozialen Medien attackiert werden, posten danach Meinungen nicht mehr. Dies geht aus einer Befragung hervor.

Amnesty International hat dafür insgesamt über 4000 repräsentativ ausgewählte Frauen im Alter von 18 bis 55 Jahren aus Dänemark, Grossbritannien, Italien, Neuseeland, Polen, Schweden, Spanien und den USA befragen lassen. Fast jede Vierte gab an, mindestens einmal Missbrauch und Belästigung erlebt zu haben. Am höchsten war dieser Anteil in den USA mit 33 Prozent und am tiefsten in Italien mit 16 Prozent. In fast der Hälfte dieser Fälle hatten die Hassbotschaften einen frauenfeindlichen oder sexistischen Inhalt.

Selbstzensur

Der Frauenhass im Netz gefährdet laut Amnesty International das Recht auf freie Meinungsäusserung. So gab jede Dritte Betroffene an, dass sie ihre Meinung zu bestimmten Themen im Netz nicht mehr äussert. Aus Angst um ihre Privatsphäre und ihre Sicherheit würden sich attackierte Frauen von öffentlichen Diskussionen zurückziehen oder selber zensieren. Doch gerade für Frauen seien die sozialen Medien ein wichtiger Raum, um ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrnehmen zu können.

Recht schützen

Die meisten der befragten Frauen kritisieren, dass Regierungen und die sozialen Medien in der Praxis zu wenig tun, um Nutzerinnen vor Gewalt zu schützen. Laut Amnesty International sind beide in der Verantwortung, das Recht auf freie Meinungsäusserung für alle durchzusetzen. Frauen müssten diese Plattformen angstfrei nutzen können. «Gewalt und Missbrauch in sozialen Medien verlangt je nach Art und Schwere eine Reaktion von Regierungsseite, von Unternehmen, oder beiden Seiten.»

Einschneidende Folgen

Der Frauenhass im Netz beeinträchtigt laut Amnesty die psychische Gesundheit. Betroffene leiden unter Stress, Angst, Panikattacken und vermindertem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. 41 Prozent der betroffenen Frauen fühlten sich aufgrund der Hassbotschaften sogar körperlich bedroht. Insbesondere Mord- und Vergewaltigungsdrohungen verfolgen die Betroffenen massiv, sagt Azmina Dhrodia, Amnesty-Expertin für Neue Technologien und Menschenrechte. «Das hört nicht auf, wenn du dich ausloggst.» Speziell am Hass im Internet sei, wie schnell ein einzelner Post innert Minuten eine Lawine auslösen könne. Frauenhass sei in den sozialen Medien weit verbreitet. Die Umfrage zeige, wie einschneidend die Konsequenzen für Betroffene seien.

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keine

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