Dina Ali Lasloom: «Bitte helft mir. Mich gibt es wirklich.» © dal

Dina Ali Lasloom: «Bitte helft mir. Mich gibt es wirklich.»

Hilferuf vom Flughafen: «Sie werden mich töten»

fs / 15. Mai 2017 - Eine Frau aus Saudi-Arabien ist gegen ihren Willen in ihre Heimat zurückgebracht worden. Behörden und Fluggesellschaften haben an der Entführung mitgemacht.

Dina Ali Lasloom wollte nach Australien reisen, um dort Asyl zu beantragen und auf diese Weise einer Zwangsheirat in Saudi-Arabien zu entgehen. In Kuwait, wo sie als Lehrerin arbeitete, hatte sie bei der australischen Botschaft ein Touristenvisum beantragt und reiste dann allein von Kuwait aus ab. In Saudi-Arabien wäre beides ohne das Einverständnis eines männlichen Vormunds verboten gewesen.

«Nur weil ich eine Frau bin»

Bei einem Zwischenstopp in Manila nahmen ihr Angestellte des Bodenpersonals im Transitbereich Pass, Flugticket und andere Reisedokumente ab und blockierten den Zugang ihres Handys zum Internet. Doch Lasloom konnte die kanadische Touristin Meagan Khan auf ihre Situation aufmerksam machen. Diese berichtete die folgenden Stunden auf Facebook über die Ereignisse. Mit dem Handy von Khan konnte Lasloom eine ergreifende Video-Botschaft

Videobotschaft von Dina Ali Lasloom, aufgenommen im Flughafen von Manila.

aufnehmen und diese an ihren Freundeskreis schicken. Darin bittet sie mit zitternder Stimme um Hilfe. Man hindere sie am Weiterflug und habe ihr den Pass weggenommen. «Nur weil ich eine saudische Frau bin.» Wenn sie nach Saudi-Arabien zurückkehren müsse, werde ihre Familie sie töten. «Bitte helft mir. Mich gibt es wirklich.» Die philippinische und die saudische Regierung würden sie wie eine Kriminelle behandeln und damit Menschenrechte und internationales Recht verletzen.

Mit Klebeband gefesselt

Vergeblich versuchte Khan, Menschenrechtsorganisationen und Anwälte aus Manila an den Flughafen zu bringen. Schliesslich wollten zwei Männer und eine Frau Dina Ali Lasloom abholen. Die Männer seien ihre Onkel und die Frau eine Vertreterin der kuwaitischen Botschaft, sagte Lasloom zu Khan. Sie verlangte juristischen Beistand. Doch ein Anwalt, der erschien, war offenbar von ihrer Familie engagiert worden. Unter einem Vorwand wurde Lasloom in ein anderes Terminal gebracht. Schreiend wehrte sie sich dagegen, an Bord eines Flugzeuges der Saudia-Airlines gebracht zu werden. Zunächst mit Erfolg. Doch einige Stunden später wurde sie mit Klebeband gefesselt und zugeklebtem Mund in ein Flugzeug nach Saudi-Arabien gebracht. Dies sagte ein Flughafenmitarbeiter unter dem Schutz der Anonymität der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Passagiere dieses Flugzeuges sagten später der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten Hilferufe im Flugzeug gehört. Die saudische Botschaft in Manila bestätigte die Rückführung. Es handle sich um eine «Familienangelegenheit».

Wenig Aufsehen

Die saudische Aktivistin Modi Aljohani hat mit Dina Ali Lasloom gesprochen, als diese am Flughafen in Manila war. Aljohani selber ist letztes Jahr aus Saudi-Arabien geflohen und hat in den USA ein Asylgesuch eingereicht. Dina Ali Lasloom sei in Saudi-Arabien in ein Frauengefängnis gebracht worden, sagte Aljohani gegenüber Medien. Human Rights Watch hat Saudi-Arabien aufgefordert zu informieren, wo Dina Ali Lasloom ist und sie freizulassen. Unter den Hashtags #SaveDinaAli, #HelpDinaAli und #IAmDinaAli unterstützten Tausende diesen Aufruf.

Die Entführung einer erwachsenen Frau hat in den letzten Wochen medial für weniger Aufsehen gesorgt, als die Geschichten von Passagieren, die Fluggesellschaften wegen Überbuchungen gewaltsam aus Flugzeugen werfen liessen. Kurz nach der gewaltsamen Rückführung von Lasloom hat die Uno Saudi-Arabien in die Frauenrechtskommission gewählt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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