Hollywood-Frauen institutionalisieren den Kampf gegen Gewalt am Arbeitsplatz. © CBS

Hollywood-Frauen institutionalisieren den Kampf gegen Gewalt am Arbeitsplatz.

Landarbeiterinnen unterstützen Schauspielerinnen

fs / 23. Jan 2018 - In den USA haben sich Frauen unterschiedlichster Branchen im Kampf gegen Gewalt am Arbeitsplatz solidarisiert. Die Privilegierteren äufnen jetzt einen Fonds für Klagen.

In einer beispiellosen Erklärung hat sich die «Alianza Nacional de Campesinas», die 700'000 Latina-Landarbeiterinnen in den USA vertritt, Ende letzten Jahres mit den Frauen solidarisiert, die in Hollywood Opfer von Gewalt geworden sind. Sie seien weder schockiert noch überrascht, weil sexuelle Belästigungen und Übergriffe am Arbeitsplatz auch in der US-Agrarindustrie an der Tagesordnung seien, heisst es unter dem Titel «Dear Sisters». Unzählige Frauen würden im Stillen leiden. «Wir arbeiten in total unterschiedlichen Branchen, teilen aber die Erfahrung, von Individuen abhängig zu sein, welche die Macht haben, uns anzustellen, zu kündigen, auf eine schwarze Liste zu setzen und auf andere Weise unsere ökonomische, physische und emotionale Sicherheit zu bedrohen.»

«Wir glauben euch»

Die Latina-Landarbeiterinnen in den USA hätten wie die Hollywood-Frauen kaum Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Das Risiko sei zu hoch. Dazu gehöre auch, die Arbeit zu verlieren und damit die Famliie nicht mehr ernähren zu können. «Wir verstehen, das Leid, die Scham, die Einsamkeit und den Verrat, den ihr wohl fühlt. Wir schämen uns auch und fürchten uns vor den Folgen dieser Gewalt. Sie sitzt wie ein drückendes Gewicht in unserem Nacken. Aber tief in unseren Herzen wissen wir, dass es nicht unser Fehler ist. Der Fehler liegt bei den Menschen, die sich entschieden haben, ihre Macht zu missbrauchen und uns zu belästigen, zu bedrohen und zu verletzen, wie sie euch verletzt haben.» Die Schauspielerinnen mussten auch viel Kritik einstecken, weil sie die Gewalt öffentlich machten. In solchen Momenten sei es wichtig zu wissen, dass man nicht allein sei, heisst es in der Erklärung der Landarbeiterinnen. «Wir glauben euch und stehen zu euch.»

13 Millionen für Rechtshilfe

300 Hollywood-Schauspielerinnen, Regisseurinnen, Produzentinnen, Agentinnen, Drehbuchautorinnen, Studio-Managerinnen und Anwältinnen reagierten Anfang dieses Jahres mit einem offenen Brief in der «New York Times» und in «La Opinión», der grössten spanischsprachigen Zeitung der USA. Unter dem Titel «Dear Sisters» solidarisierten sie sich mit den Landarbeiterinnen. «Wir teilen eure Gefühle der Angst und der Scham.» Sie seien sich ihrer privilegierten Situation bewusst und wollten diese im Kampf gegen Gewalt am Arbeitsplatz nutzen. Mit der neu gegründeten Gruppe «Time’s up» (Die Zeit ist abgelaufen) wollen sie diesen Kampf institutionalisieren. «Gewalt am Arbeitsplatz endet oft nicht, weil Täter und Arbeitgeber keine Konsequenzen fürchen müssen», heisst es im Brief. «Time’s up» hat einen Fonds eingerichtet, damit auch Frauen in schlecht bezahlten Berufen gegen Gewalt am Arbeitsplatz gerichtlich vorgehen können. Der mit Spenden finanzierte Fonds ist bereits mit 13 Millionen US-Dollar gefüllt. Hinter «Time’s up» stehen prominente Hollywood-Schauspielerinnen wie Cate Blanchett, Goldie Hawn, Eva Longoria, Alyssa Milano, Gwyneth Paltrow, Nathalie Portman, Emma Stone, Meryl Streep, und Reese Witherspoon.

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