Reporterin Julieth González Therán wird vor laufender Kamera zwangsgeküsst. © DW

Reporterin Julieth González Therán wird vor laufender Kamera zwangsgeküsst.

«Mach das nie mit einer Frau!»

fs / 12. Jul 2018 - Während der Fussball-WM müssen sich Sportreporterinnen vor laufender Kamera gegen Übergriffe wehren. Sie fordern mehr Respekt.

Die brasilianische TV-Sportreporterin Julia Guimaraes wird vor dem Spiel Japan gegen Senegal in Jekaterinburg attackiert, während sie auf Sendung ist. Sie kann dem Zwangskuss gerade noch ausweichen.

Julia Guimaraes weicht Zwangskuss aus und reagiert dann entschieden auf den Übergriff (Video: Guardian).

Danach erteilt sie dem Täter eine Lektion: «Mach das nicht. Mach das nie wieder! Ich erlaube Dir nicht, dies zu tun. Nie, ok? Das ist nicht anständig, das ist nicht richtig. Mach das nie mit einer Frau, ok? Respekt!»

«Inakzeptabel und respektlos»

Die Kolumbianerin Julieth González Therán wird vor dem Spiel Russland gegen Saudiarabien während eines Live-Berichtes für die spanischen Nachrichten der Deutschen Welle (DW) überfallartig geküsst. Der Mann greift ihr zudem an die Brust. «Ich war schon zwei Stunden vor Ort, um die Übertragung vorzubereiten», sagte González Therán. «Als wir dann live auf Sendung waren, hat dieser Mann das ausgenutzt. Danach war er weg.» Der Mann entschuldigte sich später bei Julieth González Therán. Er habe mit einem Freund gewettet, dass er eine Reporterin während ihrer Live-Sendung auf die Wange küssen werde. «Ich weiss, dass Ihr Beruf sehr anstrengend ist, und ich hoffe, dass es im Lauf Ihrer Karriere nie wieder zu so einem Zwischenfall kommt. Es tut mir sehr leid.» González Therán nahm die Entschuldigung zwar an, sagte dem Täter aber klar: «Was passiert ist, war inakzeptabel und respektlos.»

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen im Netz reichten von Empörung bis Verständnis. Eine Userin twitterte, González Therán mache grossartige Arbeit. Solche Attacken seien inakzeptabel. Andere äusserten hingegen Verständnis: «Ein einfaches Küsschen auf die Wange, und schon tut sie, als hätte sie es mit einem Vergewaltiger zu tun», lautete einer von vielen Kommentaren auf der DW-Webseite. Von «feministischer Hysterie» oder «Kompliment» war die Rede. González Therán kritisiert, dass Reporterinnen oft nicht ernst genommen werden. «Aber wir wollen über Spielsysteme und Strategie sprechen.» Den Männern fehle es an Respekt. «Wir müssen dieses Problem klar benennen.»

«Ich verdiene es, respektiert zu werden»

González Therán und Guimaraes sind keine Einzelfälle:

  • Die Schwedin Malin Wahlberg wurde während eines Fanmarsches an der WM gleich mehrmals begrapscht. Ein Mann legte seinen Arm um die Sportjournalistin, ein anderer zerzauste ihre langen Haare. Einer küsste sie. Wahlberg war live auf Sendung und versuchte, die Männer von sich zu stossen.
  • Die Reporterin Agos Larocca vom US-Sportsender ESPN wurde in Nischni Nowgorod während einer Livesendung von einem isländischen Fan zwangsgeküsst.
  • Argentinische Fans begrapschten in Moskau eine Reporterin, während diese versuchte, sie zu interviewen.
  • In Mexiko wurde im April die Reporterin Maria Fernanda Mora während einer Live-Sendung von Fussballfans umringt und bedrängt. Sie beendete ihren Bericht und schlug danach mit ihrem Mikrofon auf die Angreifer ein.
  • In Brasilien haben im Frühjahr 52 Sportreporterinnen die Facebook-Kampagne «DeixaElaTrabalhar» (Lass sie arbeiten) gegen sexuelle Übergriffe während der Arbeit lanciert. Mitinitiantin Bruna Dealtry wurde selber Opfer einer Kussattacke: «Ich bin Reporterin, ich bin eine Frau und ich verdiene es, respektiert zu werden.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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