Emma Husar während ihrer Rede im australischen Parlament. © WW

Emma Husar während ihrer Rede im australischen Parlament.

Politikerin: «Ich war 29 Jahre lang Opfer häuslicher Gewalt»

fs / 06. Dez 2016 - Eine australische Politikerin hat in einer emotionalen Rede ihre eigene Geschichte mit häuslicher Gewalt öffentlich gemacht. Sie will damit andere Betroffene ermutigen.

Emma Husar, Labor-Abgeordnete im australischen Parlament, sprach aus Anlass des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Sie sei 29 ihrer 39 Lebensjahre Opfer von Gewalt gewesen, sagte Husar. Die ersten 13 Jahre ihres Lebens seien geprägt gewesen von der Gewalt ihres Vaters gegenüber ihrer Mutter. «Mein Vater war stets betrunken, wenn er sie schlug», sagte Husar, die während ihrer Rede mehrmals in Tränen ausbrach.

Als Mädchen traumatisiert

Die Erfahrung, dass das Zuhause kein sicherer Ort sei, habe sie geprägt. Zwar hätten die Schläge immer der Mutter gegolten. Doch bei ihr hätten sie ein Trauma hinterlassen. Sie erinnere sich bis heute an kleinste Details der Gewalttaten. Ihre Mutter sei mit den Kindern jeweils vor dem gewalttätigen Vater geflohen, aber immer wieder zu ihm zurückgekehrt, wie viele andere betroffene Frauen. Erst nach einem «letzten, schrecklichen Vorfall» habe sie den Mut gefunden, ihren gewalttätigen Mann zu verlassen.

«Ich habe mich lange geschämt»

Häusliche Gewalt habe sie dann auch als erwachsene Frau erlebt, sagte die alleinerziehende Mutter von drei Kindern. «Auch die letzten 16 Jahre habe ich darunter gelitten.» Sie habe sich lange geschämt. Mit dem Gang an die Öffentlichkeit will Husar anderen Opfern Mut machen, eine missbräuchliche Lebenssituation zu verlassen: «Ich hoffe, dass ich mit meiner Geschichte Kraft gebe um aufzustehen, zu sprechen und zu handeln.»

Hauptsächlich Frauen betroffen

In Deutschland wurden letztes Jahr fast 130’000 Menschen Opfer einer registrierten Gewalttat durch ihren Partner oder Ex-Partner. 82 Prozent der Opfer waren Frauen. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesfamilienministeriums hervor. Dafür wurde erstmals ausgewertet, in welcher Beziehung Täter und Opfer bei Delikten wie Mord, Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking stehen. Jedes dritte weibliche Opfer erlitt eine Gewalttat durch ihren Partner oder Ex-Partner.

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) sprach von «schockierenden Zahlen». BKA-Präsident Holger Münch sagte, Opfer häuslicher Gewalt würden ihre Situation oft als ausweglos empfinden und sich nicht bemerkbar machen. Das könne verheerende Folge haben, auch für Kinder, welche die Übergriffe miterleben. Zu den registrierten Straftaten komme eine Dunkelziffer, die bisher unerforscht sei.

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