Dieser Aufruf auf Twitter motivierte Millionen, ihre Erlebnisse zu schildern. © KO

Dieser Aufruf auf Twitter motivierte Millionen, ihre Erlebnisse zu schildern.

Sexuelle Übergriffe: «Krieg gegen Frauen»

fs / 18. Okt 2016 - Eine Autorin beschreibt, wie sie erstmals Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden ist. Millionen Frauen folgen ihrem Beispiel und machen Übergriffe damit sichtbar.

Die geschilderten Erlebnisse würden auf einen «Krieg gegen Frauen» und eine «Vergewaltigungskultur» hinweisen, schreibt die Autorin und Bloggerin Kelly Oxford. Die Kanadierin war zwölf Jahre alt, als im Bus ein unbekannter Mann ihr zwischen die Beine gefasst und dabei gegrinst hat. Die frauenverachtenden Worte von Donald Trump haben sie veranlasst, ihr Schweigen jetzt zu brechen. Es genüge nicht, wenn Trump sich einfach halbherzig entschuldige. Was seine abschätzigen Worte bei denjenigen auslösen, die schon einmal einen sexuellen Übergriff erlebt haben, könne er sich wohl kaum vorstellen.

Millionen brechen ihr Schweigen

Unter dem Hashtag #notokay hat Kelly Oxford auf Twitter ihre Geschichte erzählt. Sie forderte Frauen auf, über den ersten Übergriff zu berichten, den sie erlebt haben. Damit löste sie eine Lawine von ähnlichen Erzählungen aus. Kim beispielsweise zog ein Mitschüler das Shirt hoch als sie dreizehn Jahre alt war. Sie gab ihm eine Ohrfeige und wurde dafür vom Lehrer bestraft. Helen griff der Turnlehrer zwischen die Beine, als sie 10 Jahre alt war. Sie habe damals nicht begriffen, was ihr geschehe. Rachelle wurde von ihrem langjährigen Friseur mit 15 zu einem Zungenkuss gezwungen. Eine frühere Babysitterin berichtet, wie ein Vater über sie herfiel, als er sie nach Hause fuhr.

Hohe Dunkelziffer

Die meisten Betroffenen haben den Täter nie angezeigt, weil sie sich schämten, minderjährig waren, Zeugen fehlten oder aus anderen Gründen. Die Dunkelziffer solcher Übergriffe ist hoch. Die Gesellschaft müsse endlich umdenken, sagt Kelly Oxford: «Wir sind keine Sex-Objekte, über die Männer Spässe machen und die sie einfach anfassen und verletzen können.»

Twitter-Kampagnen

Es ist nicht das erste Mal, dass Frauen ihr Schweigen auf Twitter brechen und damit Übergriffe sichtbar machen. In der Schweiz schildern zurzeit Frauen und Männer unter #SchweizerAufschrei ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Sexismus im Alltag. Auslöser war die Aussage der konservativen Politikerin Andrea Geissbühler (SVP), bei manchen Vergewaltigungen seien die Frauen mitschuldig.

In Deutschland sorgte vor drei Jahren die #Aufschrei-Kampagne für Aufsehen. Frauen schilderten, wie sie Opfer sexueller Übergriffe wurden. Auslöser war der Artikel einer jungen Journalistin, die einem Politiker sexistisches Verhalten vorwarf.

Ende letzten Jahres begründeten Betroffene unter dem Hashtag #WhyIsaidnothing (Weshalb ich nichts sagte), weshalb sie Täter nicht zur Verantwortung zogen. Auslöser war eine US-Professorin, die sich in einem Interview abschätzig über Vergewaltigungsopfer geäussert hatte.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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3 Meinungen

Es wird höchste Zeit, endlich einmal die Frauen ernst zu nehmen, die solche Übergriffe erlebt haben. Auch die sogenannten «kleinen» Übergriffe wie Anfassen an intimen Stellen sollten strafrechtlich verfolgt werden können. Es sind auch keine Einzelfälle, und für viele Mädchen ist der erste Übergriff, an den sie sich erinnern können, sehr schockierend , ihre Verletzlichkeit wird ihnen drastisch bewusst gemacht.Sexuelle Gewalt, körperlich, psychisch- ist Alltag! Eine Schande für ein Land, das sich als zivilisiert betrachtet. Dazu kommt noch, dass unsere Rechtsprechung völlig rückständig ist und betroffene Frauen auch noch eine Mitschuld zugesprochen wird, gerade und auch von Frauen...
Monika Achtmann, am 18. Oktober 2016 um 10:46 Uhr
Ich bin mit Frau Achtmann voll einverstanden. Meine Bedenken sind: was ist wenn man im vorhergehenden Artikel zu lesen bekommt, dass sogar Vergewaltigungen in der Schweiz milde bis gar nicht bestraft werden und die Politik keinen Handlungsbedarf sieht. Wenn nach der deutlichen Rede von Michele Obama zu den und sexistischen Äusserungen von Donald Trump der Tagesschau Moderator Florian Inhauser mit den Worten «und nun ganz entspannt und unaufgeregt zu den Themen von 10 vor 10» überleitet. Es war für mich, mit meinen eben auch traumatisierenden Erfahrungen, wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hörte es so, wie wenn man sagen würde: .. was regt ihr euch den so auf....Mädels? Immer wieder mache ich SRF auf solche abschätzigen Äusserungen aufmerksam, scheinbar ohne Erfolg. Auch Beanstandungen und Beschwerden helfen nicht weiter. Und ich bleibe trotzdem dran.
Martha Beéry, am 18. Oktober 2016 um 18:23 Uhr
Ich finde es gut, dass endlich diese Vergehen nicht mehr tabuisiert werden. Wir müssen das immer benennen, so lange bis sich ein Bewusstsein für diese Straftaten einstellt. Es ist niemals ein «Kavaliersdelikt", wenn wir angefasst oder begrapscht werden. Ich denke, es gibt keine Frau auf der ganzen Welt, die nicht in irgendeiner Form solche Übergriffe erlebt hat. Ich bin 65 Jahre alt und habe auch mehrere Übergriffe in meinem Leben erfahren. Wir Frauen müssen das jetzt immer benennen und öffentlich machen! Danke Frau Achtmann und Danke Frau Beery.
Gerda Wurz, am 19. Oktober 2016 um 14:54 Uhr

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