Sexuelle Übergriffe: Scheinheilige Empörung

Barbara Marti © upg
Barbara Marti / 15. Jan 2016 - Jede zweite Frau in Europa hat schon sexuelle Belästigung erlebt. Die öffentliche Empörung ist jedoch nur gross, wenn Ausländer die Täter sind.

In Deutschland sind in der Silvesternacht Hunderte Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen geworden. In der Öffentlichkeit brach mit zeitlicher Verzögerung eine Welle der Empörung los. Sie ist grösstenteils geheuchelt, denn sexuelle Gewalt ist meistens nur ein Thema, wenn die Täter «nordafrikanische oder arabisch aussehende» Männer sind. Dabei zeigen Statistiken, wie verbreitet solche Übergriffe sind. So hat in der EU jede dritte Frau seit ihrer Jugend körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt und jede zweite sexuelle Belästigung. Dies geht aus einer Befragung der EU-Grundrechte-Agentur im Jahr 2014 hervor. Doch diese Zahlen lösten keine grosse Empörung aus.

Kultur der Verharmlosung

Sexuelle Gewalt wird meistens ignoriert und verharmlost. Die Kultur der Verhamlosung führt dazu, dass die meisten Opfer schweigen. Denn wer Opfer eines Übergriffs wird, muss mit dem Vorwurf rechnen, selber schuld zu sein. So wurde in einigen deutschen Medien Opfern der Vorwurf gemacht, in der Silvesternacht falsch gekleidet gewesen zu sein. Es ist dem Mut einiger Opfer zu verdanken, dass sie das Schweigen gebrochen und damit viele weitere Opfer ermutigt haben, ebenfalls Anzeige zu erstatten. Mittlerweile liegen aus mehreren Städten – auch in der Schweiz und Österreich – Anzeigen vor.

Plötzliches Interesse an Frauenrechten

Die Gesellschaft muss sexuelle Übergriffe endlich unabhängig von der Nationalität der Täter ernst nehmen. Die Politik kann nun diejenigen in die Pflicht nehmen, die plötzlich ihr Interesse für Frauenrechte entdeckt haben, um den eigenen Rassismus zu legitimieren. Millionen Frauen in der «aufgeklärten» westlichen Gesellschaft erwarten, dass sie sich sicher und angstfrei im öffentlichen Raum bewegen können – zum Beispiel auch während des Oktoberfestes oder der Fasnacht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Besten Dank für die präzise Darstellung der Situation.
Ich weise allerdings auch der Berichterstattung in den Medien einen Teil der «Schuld» zu. Noch immer wird meist über Frauen dann berichtet, wenn sie Opfer geworden sind. Kaum was und wie sie etwas für die Gesellschaft und oder Gesellschaftliche Veränderungen beigetragen haben. Auch das würde die Sicht auf Frauen verändern. Deshalb schätze ich FrauenSicht so sehr. Von Zeit zu Zeit Beschwere ich mich diesbezüglich bei SRF z.B. doch wie es scheint erfolglos. Danke Martha Beéry
Martha Beéry, am 15. Januar 2016 um 10:34 Uhr

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