Kommunalpolitikerin Elen Debost hat als Erste Denis Baupin vorgeworfen, sie belästigt zu haben. © ittele

Kommunalpolitikerin Elen Debost hat als Erste Denis Baupin vorgeworfen, sie belästigt zu haben.

Sieg für Opfer sexueller Gewalt

fs / 24. Apr 2019 - Ein prominenter Politiker warf Frauen vor zu lügen, weil sie ihm Übergriffe vorwerfen. Jetzt hat ein Gericht die Frauen freigesprochen. Das Urteil gilt als historisch.

In Frankreich hat der grüne Politiker Denis Baupin mehrere grüne Politikerinnen und frühere Mitarbeiterinnen wegen übler Nachrede vor Gericht gezerrt, weil sie ihm sexuelle Belästigung vorwerfen. Sie hatten ihre Vorwürfe vor drei Jahren in «France Inter» und der Onlinezeitung «Mediapart» öffentlich gemacht. Drei Betroffene erstatteten Anzeige gegen Baupin.

«Belästigte, schweigt nicht mehr!»

Jetzt hat ein Bezirksgericht in Paris alle Frauen vom Vorwurf gelogen zu haben freigesprochen, berichtet «Le Monde». Das Gericht verurteilte Baupin sogar wegen Rechtsmissbrauchs. Deshalb muss er nun allen Frauen je 500 Euro Schadenersatz und Genugtuung zahlen (560 Franken). Isabelle Attard, Abgeordnete im französischen Parlament, sprach von einem wegweisenden Urteil für alle Opfer sexueller Gewalt. Baupin sei es nicht gelungen, die Frauen zum Schweigen zu bringen. Ihre Parteikollegin Annie Lahmer twitterte: «Wir haben gewonnen! Belästigte, Begrapschte, schweigt nicht mehr!».

«Historisches Urteil»

In einer gemeinsamen Stellungnahme schrieben die Politikerinnen, das Urteil sei historisch: «Es ist eine ermutigende Botschaft für alle, die es nicht wagen, über Übergriffe zu sprechen oder ihren Peiniger anzuzeigen, weil sie Angst haben, dass sie selber zu Angeklagten werden könnten. Mit einer Verleumdungsklage können Täter sich nun nicht mehr reinwaschen.» Von einem historischen Urteil sprach auch Julien Bayou, Sprecher der grünen Partei. «Mediapart» twitterte, das Urteil sei ein «riesiger Sieg für die weiblichen Opfer sexueller Gewalt.»

Schweigen brechen

Denis Baupin, früherer Vizepräsident des französischen Parlamentes, war selber nicht zum Prozess erschienen. Die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch für alle. Sie lobte den Mut derjenigen Angeklagten, die vor Gericht ausgesagt haben. Das einzig Gute am Prozess sei, dass er ermutige, bei sexueller Gewalt nicht zu schweigen. Denis Baupin kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

«Verführungsspiele»

Baupin war in Frankreich ein prominenter grüner Politiker, dessen Karriere mit den Vorwürfen seiner Parteikolleginnen endete. Er bestreitet die Vorwürfe bis heute. Es habe sich um Flirts und «Verführungsspiele» gehandelt. Verurteilt wurde er nie. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hatte die Voruntersuchung vor zwei Jahren eingestellt, weil die Verjährungsfristen bereits abgelaufen waren.

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