Frauen haben viele Strategien, um Übergriffe zu vermeiden. © AL

Frauen haben viele Strategien, um Übergriffe zu vermeiden.

So schützen Frauen sich vor sexuellen Übergriffen

fs / 08. Nov 2018 - Ein Forscher hat Frauen und Männer gefragt, wie sie sich im Alltag gegen Übergriffe wappnen. Die Antworten sind entlarvend.

Der renommierte US-Sozialforscher Jackson Katz konnte mit den Antworten der Frauen eine lange Liste erstellen. Auf der Liste der Männer stand fast nichts. Katz veröffentlichte die Listen bereits vor über zehn Jahren im Buch «The Macho Paradox: Why Some Men Hurt Women and How All Men Can Help». Facebook-Userin Drew McKenna hat sie kürzlich gepostet. Der Post verbreitete sich rasch und wurde millionenfach geteilt. In Anspielung auf die #MeToo-Bewegung schrieb McKenna dazu: «Männer fragen Frauen, warum sie so genervt und wütend sind. Diese Liste zeigt, warum.»

«Merkwürdige Stille»

Katz beschreibt in seinem Buch, dass die Männer auf seine Frage verblüfft reagierten: «Am Anfang ist da eine merkwürdige Stille, während die Männer versuchen herauszufinden, ob das eine Scherzfrage ist. Diese Stille mündet dann in nervösem Gelächter. Manchmal sagt dann ein junger Mann etwas wie ’Ich halte mich von Gefängnissen fern'. Darauf folgt dann typischerweise weiteres Gelächter, bis dann jemand sagt: ’Nichts. Ich denke nicht darüber nach.’»

Lange Liste mit Antworten der Frauen

Die Frauen hingegen berichteten Katz von unzähligen Sicherheitsmassnahmen in ihrem Alltag. Beispiele:

Schlüssel als potenzielle Waffe bereithalten.

Immer ein Handy dabeihaben.

Telefonnummer geheim halten.

Den Telefonbeantworter mit männlicher Stimme besprechen.

Nur auf gut beleuchteten Parkplätzen parken.

Öffentliche Toiletten meiden.

Abends nicht joggen gehen.

Beim Joggen keine Kopfhörer tragen.

Wälder auch tagsüber meiden.

Nie im Parterre eine Wohnung mieten.

Die Fenster nachts schliessen, wenn ich alleine bin. Auch wenn es heiss ist.

Extra Schlösser an Türen und Fenstern montieren.

Die ganze Nacht ein Aussenlicht angeschaltet lassen.

Nur in einer Gruppe ausgehen.

Nicht zu viel trinken.

Einen Drink nicht unbeaufsichtigt lassen.

Beim Zubereiten des Drinks zuschauen.

Pfefferspray dabeihaben.

Nicht alleine in einen Lift steigen, in dem ein Mann oder mehrere Männer sind.

Meinen Heimweg variieren und die Familie darüber informieren.

Nur in Gruppen ausgehen.

Männer auf der Strasse selbstbewusst anschauen.

Aufpassen, was ich anziehe.

Männer immer im öffentlichen Raum das erste Mal treffen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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2 Meinungen

Es ist doch wohl jedem klar, dass Übergriffe so gut wie immer von Männern ausgehen. Nur durch solche Kampagnen wie #metoo wird der Öffentlichkeit bewusst, was Frauen schon immer wissen, und Männer eigentlich auch- Da wundere ich mich, warum jetzt viele so tun, als hörten sie das zum 1. Mal...es wird eben aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verdrängt, anstatt sich alle endlich einmal damit auseinandersetzen, dass wir nicht so zivilisiert sind, wie wir meinen. Meiner Meinung nach ist die sexualisierte Gewalt ein Mittel, Macht auszuüben, sich als Mann überlegen fühlen zu können und korreliert mit einem angeschlagenen Selbstbewusstsein mancher Männer- mit Sex an sich hat das nicht so viel zu tun , es ist Mittel zum Zweck. Denn auf dieser Ebene sind Frauen verletzlich. Je mehr Frauen und gewaltfreie Männer sich zusammenschließen, das ganze Elend öffentlich machen, Hintergründe für dieses Verhalten aufdecken und gemeinsam darüber laut und in allen Medien nachdenken, welche Art von Männern dies betrifft, umso mehr wird gewalttätiges und übergriffiges Verhalten von Männern sanktioniert. Darum ist #Aufschrei! so wichtig, viele Frauen schweigen dazu, man hat ihnen beigebracht, dass sie selbst schuld sind und sich also folgerichtig auch schämen müssen. Selbst Frauen sind da nicht immer solidarisch, leider.
Was wir brauchen, ist eine Kultur des Respekts, der spielerischen, stilvollen Werbung der Männer um eine Frau- diese ewige, bedürftige, respektlose Art des Umgangs mit Frauen geht vielen Frauen auf die Nerven. Warum werden die eigentlichen Ursachen nicht wissenschaftlich mehr beleuchtet und öffentlich diskutiert? Das «Elend der Männlichkeit» nur an den Pranger zu stellen, hilft indes auch nicht wirklich, eine Lösung zu finden.Es ist eine grundsätzliche Wandlung vonnöten: Der Mann muss aufhören, die Frau zu benutzen, zu konsumieren. Stattdessen ein wirklicher «Liebhaber» im besten Sinn des Wortes werden...leider wissen viele Männer nicht, was Frauen glücklich macht und erfüllt, weil es sie auch niemand gelehrt hat: unsere Gesellschaft lässt die jungen Leute mit diesem Thema allein, alles, was wir ihnen bieten, sind Pornos, Bordelle, die Reduzierung der Frau als Ware- wer wundert sich da noch?
Monika Achtmann, am 09. November 2018 um 09:30 Uhr
Ich frage mich bei der im Artikel angeführten Auflistung, warum Frauen sich ganz auf sich selbst verlassen müssen und andere Männer nie intervenieren, wenn sie einen Übergriff beobachten? Denn allzuoft passiert das ja nicht im Geheimen! Kein Mann braucht sich in einen «Kampf» zu schmeissen, wenn er Übergriffe beobachtet, meistens genügt ein aufmerksames, ostentatives Hinsehen und ein winziges Signal an den Übergriffigen, dass das nicht ok ist.
Gaby Dallinger-Koenig, am 09. November 2018 um 11:56 Uhr

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