Gewalttäter in der Öffentlichkeit beim Namen zu nennen, gilt juristisch als heikel. © AL

Gewalttäter in der Öffentlichkeit beim Namen zu nennen, gilt juristisch als heikel.

Täter beim Namen nennen

fs / 03. Nov 2017 - Immer mehr Opfer von Übergriffen machen ihre Erlebnisse öffentlich. Einige nennen jetzt auch Täter.

Der Film-Produzent Harvey Weinstein hat fast drei Jahrzehnte lang Frauen sexuell belästigt, bedrängt oder vergewaltigt. Seit dies öffentlich geworden ist, schildern Hunderttausende unter dem Hashtag #MeToo («Ich auch») eigene Erlebnisse mit sexueller Gewalt und Belästigung und wie sie damit umgehen.

Täter outen

Die französische Journalistin Sandra Muller geht mit dem Hashtag #balancetonporc («Verpfeif dein Schwein») einen Schritt weiter und nennt Täter beim Namen. Sie machte auf Twitter und Facebook die Übergriffe von zwei ihrer früheren Chefs öffentlich und rief andere Frauen dazu auf, Belästiger auch namentlich zu outen. Gegenüber «Le Parisien» sagte Muller, es sei wichtig, dass Opfer über Übergriffe sprechen können. Sie hoffe zudem auf eine abschreckende Wirkung für Täter. Doch die meisten der über 100'000 Frauen, die sich meldeten, nannten den Belästiger nicht beim Namen.

Frauen warnen sich gegenseitig

Juristisch gelten Listen mit Namen als heikel und sind deshalb oft geheim, berichtet das Online-Magazin «Slate». In den USA kam kürzlich die Liste «Shitty Media Men» aus der Medienbranche an die Öffentlichkeit. Opfer sexueller Gewalt tragen darauf den Namen des Täters und die Tat ein. Mehrmals genannte Täter werden rot hervorgehoben. Auf der ursprünglich geheimen Liste sind Mitarbeiter von Medienhäusern wie der «New York Times», welche den Weinstein-Skandal aufgedeckt hatte.

Kontroverse um Namenslisten

Die Liste «Shitty Media Men» löste im englischsprachigen Raum eine Kontroverse aus. Befürworterinnen von solchen Namenslisten sagen, sie entlarven Täter und warnen Opfer. Jessica Valenti schrieb im «Guardian», Frauen hätten oft genug unter Hashtags wie #MeToo ihre Geschichten erzählt. Wirklich ändern werde sich erst etwas, wenn das Risiko für Täter grösser werde. «Slate»-Reporterin Christina Cauterucci schrieb, Täter zu nennen sei ein Weg, um andere Frauen zu warnen und damit zu schützen. Eine Liste wie «Shitty Media Men» sei keine perfekte Methode, aber es gebe keine perfekte Methode. «Wenn eine Frau vergewaltigt worden ist, kann sie auch niemand daran hindern, aufs Dach zu gehen und den Namen des Täters in die Luft zu schreien.»

Gerüchte

Die Gegner von Namenslisten warnen vor Rufmord an Unschuldigen. Die Liste «Shitty Media Men» warne selber davor, dass sie auch Gerüchte enthalten könne, da die Einträge anonym gemacht werden können. Zudem setze sie verunglückte Sprüche mit Übergriffen gleich und Beschuldigte könnten nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

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keine

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