Emma Holten, Opfer von Rache-Pornos, hat kürzlich eigene Aktfotos veröffentlicht. © HF

Emma Holten, Opfer von Rache-Pornos, hat kürzlich eigene Aktfotos veröffentlicht.

Twitter verbietet Rache-Pornos

bbm / 26. Mrz 2015 - Sex-Fotos und -Videos dürfen nicht mehr ohne Zustimmung der Beteiligten auf Twitter veröffentlicht werden. Opfer müssen Bilder allerdings selber melden.

Mit den neuen Nutzungsregeln reagiert der Kurznachrichtendienst auf den zunehmenden Unmut von Userinnen. Ex-Partner konnten sich bisher ungehindert rächen, in dem sie Sex-Fotos und -Videos ohne Zustimmung der Ex-Partnerinnen auf Twitter veröffentlichten. Wegen dieses Cyber-Mobbings verliessen zahlreiche Userinnen das soziale Netzwerk. Twitter-Chef Dick Costolo hat kürzlich Versäumnisse eingestanden und Massnahmen angekündigt, um insbesondere Frauen vor Cyber-Mobbing besser zu schützen.

Zermürbende Prozedur für Opfer

Nun will Twitter Bilder, die ohne Einverständnis der Betroffenen veröffentlicht worden sind, verstecken und den Account des Täters so lange sperren, bis er die Bilder gelöscht hat. Twitter wird jedoch erst aktiv, wenn sich Opfer von Rache-Pornos selber melden, kritisiert die Fachzeitschrift «Wired». Das setze voraus, dass die Betroffenen überhaupt wissen, dass die Bilder auf Twitter veröffentlicht wurden. Nach der Meldung bei Twitter müsse das Opfer zudem eine unbestimmte Zeit warten. In dieser Zeit könne der Täter neue Accounts eröffnen und dieselben Fotos veröffentlichen. Dagegen müsse das Opfer erneut vorgehen, was zermürbend sein könne.

Geschäftsmodell ändern

Wenn Twitter effektiv etwas gegen Rache-Pornos tun wolle, müsse der Kurznachrichtendienst sein Geschäftsmodell grundlegend ändern, schreibt «Wired». Twitter müsste die User zwingen, sich zu identifizieren, und die Anzahl Accounts pro IP-Adresse limitieren. Die Aufgabe der Anonymität könne jedoch denjenigen Userinnen und User schaden, die aus politischen Gründen verfolgt werden und deshalb anonym bleiben müssen.

Opfer litt jahrelang

Welche Folgen Rache-Pornos haben können, zeigt der Fall der Dänin Emma Holten. Vor vier Jahren wurden Nacktfotos aus ihrem E-Mail-Postfach gestohlen und ohne ihre Zustimmung im Internet veröffentlicht. Darauf wurde die damals 20-Jährige Opfer sexistischen Cyber-Mobbings. Holten hat Anfang dieses Jahres öffentlich gemacht, dass sie drei Jahre brauchte, um sich davon zu erholen. Sie hat jetzt eigene Aktfotos veröffentlicht, um ein Zeichen zu setzen für das Recht auf den selbstbestimmten Umgang mit privaten Bildern.

Straftatbestand

In den USA sind Rache-Pornos in einzelnen Bundesstaaten ein Straftatbestand.

Auch in Grossbritannien sind Rache-Pornos seit kurzem explizit verboten.

In anderen europäischen Ländern kann ein Verbreiter von Nacktfotos aufgrund vorhandener Gesetze etwa wegen sexueller Belästigung, Ehrverletzung und Verletzung des Persönlichkeitsschutzes belangt werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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