Mariana Carbajal: «Wir Frauen müssen aufstehen gegen Frauenmorde.» © tvp

Mariana Carbajal: «Wir Frauen müssen aufstehen gegen Frauenmorde.»

Viel mehr Frauen- als Terrormorde

fs / 02. Feb 2017 - Weltweit werden jährlich Zehntausende Frauen wegen ihres Geschlechtes ermordet. Doch im Unterschied zum Terror bleiben Regierungen weitgehend passiv.

43’000 Femizide (Frauentötungen) gab es weltweit 2012, schätzen die Vereinten Nationen. Das sind viermal so viele Menschen, wie im gleichen Jahr durch Terroranschläge ums Leben gekommen sind, sagte Paul Bekkers von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kürzlich an einer Konferenz zum Thema Femizid. Die Zahlen von 2012 sind die aktuellsten Zahlen zum Femizid.

Datenlücke

Femizid ist die Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechtes. Dazu zählen Morde durch Partner und Angehörige. Femizide verüben aber auch Kriminelle und Kriegsparteien, um ihre Macht zu demonstrieren. Über die Zahl der Femizide gibt es nur Schätzungen, weil es kaum verlässliche Statistiken gibt. Solche Morde werden meistens unter der allgemeinen Kategorie «Mord» erfasst. Damit erhält das Geschlecht als Motiv für den Mord keine Beachtung. Gezielte Präventionsmassnahmen bleiben aus.

Erschwerte Prävention

Femizid sei bisher kein politisches Top-Thema, kritisiert Dubravka Simonovic, Uno-Sonderberichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen, im «Standard». «Das Sammeln von vergleichbaren Daten ist ein erster wichtiger Schritt, um Bewusstsein zu schaffen und in weiterer Folge Massnahmen einzufordern, um Femizide zu verhindern.» Simonovic hatte bereits vor zwei Jahren alle Staaten aufgefordert, Femizide statistisch zu erfassen, damit man diese Form der Gewalt besser bekämpfen kann. Die Datenlücke verschleiere geschlechtsmotivierte Morde. Dies führe zu falschen Erkenntnissen und folglich zu falschen Präventionsmassnahmen.

Gewalt sichtbar machen

In Argentinien ist Femizid seit einigen Jahren ein eigenständiger Straftatbestand. Doch die Mentalitäten haben sich bisher kaum geändert. Im vergangenen Herbst demonstrierten zum wiederholten Mal Tausende gegen Gewalt an Frauen. Zuvor hatten landesweit Frauen für eine Stunde die Arbeit niedergelegt. Auslöser war die Ermordung einer 16-Jährigen. Sie war unter Drogen gesetzt und brutal vergewaltigt worden. Innere Blutungen führten zu einem Herzstillstand. Die Autorin und Aktivistin Mariana Carbajal sagte in der ARD, die Diskriminierung der Frauen sei das Grundübel: «Wir Frauen müssen aufstehen, nicht nur gegen Frauenmorde, sondern auch gegen die Diskriminierung der Frau in der Gesellschaft.» Das wichtigste sei es, die Gewalt gegen Frauen auf der Strasse sichtbar zu machen und «nicht mehr einfach den Mund zu halten».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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