Aus der Selbsthilfegruppe einer Single-Frau wurde eine Männergruppe, die Frauenhass propagiert. © EU

Aus der Selbsthilfegruppe einer Single-Frau wurde eine Männergruppe, die Frauenhass propagiert.

Wie aus Selbsthilfe Frauenhass wurde

fs / 22. Apr 2021 - Unfreiwillige Singles erhalten viel Aufmerksamkeit, wenn sie männlich sind und zur Waffe greifen. Doch die erste Selbsthilfegruppe gründete eine Frau.

Im März erschoss ein 21-Jähriger in Atlanta sieben Frauen und einen Mann. Er gehört zu der Gruppe junger Männer, die als Motiv für Morde an Frauen sexuelle Frustration angeben.

Selbsthilfegruppe einer Single-Frau

Die «Involuntary Celibates» (Incels) haben meist massive soziale Probleme. Im Internet vernetzen und radikalisieren sie sich. Doch der Begriff des «unfreiwilligen Zölibats» stammt ursprünglich von einer Frau. In den 1990er Jahren gründete die damalige Studentin Alana aus Kanada für unfreiwillige Singles die Online-Selbsthilfegruppe «Involuntary Celibate». Sie habe sich mit anderen austauschen wollen, denen es ähnlich geht, sagte sie später. Doch es machten vor allem Männer mit. Abwertende Kommentare über das Aussehen oder die Persönlichkeit von anderen in der Gruppe wurden damals noch moderiert und gekontert. Im Jahr 2000 verliess Alana die Gruppe und gab 2004 die Webseite an eine unbekannte Person weiter. In den folgenden Jahren wurde aus der Selbsthilfegruppe für unfreiwillige Singles eine Männergruppe, die offen Frauenhass propagiert. Alana sagte später: «Ich finde es furchtbar, wie die Incel-Community sich von gegenseitiger Hilfeleistung zu einem Ort verwandelt hat, in dem Hass geschürt wird.»

Frauenfeindliche Verschwörungsfantasie

Incels sind Anhänger einer frauenfeindlichen Verschwörungsfantasie. Diese besagt, dass Frauen sexbesessene, oberflächliche Schlampen sind, die unattraktive Männer nicht begehren. Das einzige Interesse der Frauen sei, Sex mit gutaussehenden Alphamännern zu haben. Sich selber sehen die Incels als Verlierer, weil sie sich als physisch unattraktiv beurteilen und nichts dagegen tun können.

Geschlechterklischees prägen Wahrnehmung

Kolumnistin Arwa Mahdawi schrieb im «Guardian», es gebe Tausende Frauen, die unfreiwillig keinen Sex haben. Doch Männer, die unfreiwillig keinen Sex haben, bekommen viel mehr mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit als Frauen in derselben Situation. Grund für diesen Unterschied seien traditionelle Klischees, meint Mahdawi. Die Vorstellung, dass Männer Sex brauchen und Frauen nicht, sei in der Gesellschaft tief verankert.

«Frauen sind auf sich selber wütend»

Psychologin Deborah Toman sagte im Männermagazin «mel», dass weibliche Incels Im Unterschied zu männlichen nicht hasserfüllt gegenüber den Menschen sind, die sie zurückweisen. Frauen seien sozialisiert, die Schuld für einen Misserfolg zuerst bei sich selber zu suchen. Grund für diesen Unterschied seien traditionelle Klischees. Die meisten unfreiwilligen Single-Frauen führen ihren Misserfolg auf ihr Äusseres zurück: «Frauen sind auf sich selber wütend.»

Männer fürchten um Vorrangstellung

Der Frauenhass gilt als gemeinsamer Nenner unterschiedlicher Gruppen, zu denen auch rechte und rechtsradikale Kreise gehören. «Wer sich als Mann abgehängt fühlt, sucht oftmals Feindbilder – Frauen, den Feminismus oder Immigranten, die ihnen die Jobs wegnehmen», schrieb Soziologin Veronika Kracher im «Blick». Incels seien Ausdruck davon, dass am Patriarchat gerüttelt werde. Männer fühlten sich durch die Emanzipation der Frauen an den Rand gedrängt und reagierten mit antifeministischer, misogyner Gewalt, um ihre Vorrangstellung zu verteidigen. Kracher hat ein Buch über die Incels veröffentlicht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden machen dies möglich.

Mit Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto
CH72 0900 0000 8001 5320 8 (CHF)

Eine Meinung

Die beschriebnen Extremisten (wie in jeder Gruppe wohl eine Minderheit) haben z. T. nicht ganz Unrecht:

Wenn Frauen unfreiwillig keinen Sex haben, liegt das tatsächlich eher an ihnen selber, als bei den Männern, wenn diese unfreiwillig keinen Sex haben.

Es ist bekannt, dass Frauen bei der (Sexual-)Partnerwahl wählerischer veranlagt sind, da sie jederzeit nur eine Eizelle befruchten lassen können. Wählen sie nicht den Partner mit dem besten Erbgut (erkennbar am schönen und starken Äusseren und hohen sozialen Status im männlichen Konkurrenzkampf) haben ihre Gene einen evolutionären Nachteil gegenüber den Genen, die zu weniger wählerischen Frauen führen. Ausserdem kann ein schwacher oder ungesunder Partner sich auch schlechter um den gemeinsamen Nachwuchs kümmern, falls er dies überhaupt will. Ein Mann hingegen kann (während den 9 Monaten einer Schwangerschaft) theoretisch fast unbeschränkt viele Eizellen befruchten. Für Männer bzw. ihre Gene ist es evolutionär optimal, möglichst mit jeder Frau Sex zu haben, die ihnen über den Weg läuft, um möglichst viele Nachkommen zu zeugen.

Wir Menschen haben doppelt so viele weibliche Vorfahren wie männliche, das zeigen genetische Analysen. Verglichen mit den Frauen haben sich also weniger Männer fortgepflanzt, diese dafür deutlich häufiger. Ursache ist sehr wahrscheinlich die von mir beschriebene sexuelle Selektion, durchgeführt von den Frauen.

Das sind Gegebenheiten, die sich über tausende Jahre Evolution entwickelt haben; sie sind noch heute massgebend dafür, wie Männer und Frauen sexuell interagieren: Männer konkurrieren direkt und bewusst (oder indirekt und unbewust via sozialem Status) um die knappen Eizellen; die Frauen wählen aus, wer 'ran darf bzw. wessen Spermien das Rennen machen können. All das spiegelt sich auch in unseren Emotionen und sexuellen Präferenzen wider, also darin wen wir sexuell interessant finden und auch in wen wir uns verlieben.

Wer das nicht glaubt, soll sich mal über die unterschiedlichen Erfahrungen von Männern und Frauen im Online-Dating schlau machen. Und welches Geschlecht wie viel jeweils dafür bezahlt. Oder mir verraten, in welchem Club es Gratis-Getränke für Männer gibt.

Wenn eine Frau heute Sex haben will, dann hat sie noch heute Sex, sie findet in jeder Strasse einen willigen Sexualpartner. Das können die wenigsten Männer von sich behaupten – ausser vielleicht die Superstars mit ihren Groupies, Milliardäre, Topmodels o. ä. (die sog. «Alphamännchen» nämlich).

PS: Während Männer eine Tendenz zum Fremdgehen haben, um möglichst viele Samen bei möglichst neuen Partnerinnen loszuwerden, haben Frauen eine Tendenz zum Fremdgehen, um sich bei einem «Alphamännchen» bessere Gene zu holen, während sich dann ihr Partner um die Kuckuckskinder kümmert. Während den fruchtbarsten Tagen haben Frauen übrigens auch eine gesteigerte Präferenz für «Alphamännchen", die mehr Testosteron haben und aggressiver bzw. dominanter sind und gehen häufiger fremd.
Michael Schwyzer, am 11. Mai 2021 um 00:07 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.