Gewalt gegen Frauen sorgt nur in Kombination mit Flüchtlingen für Empörung. © EU

Gewalt gegen Frauen sorgt nur in Kombination mit Flüchtlingen für Empörung.

«Wir müssen über das Frauenbild reden»

fs / 15. Dez 2016 - Nach Gewaltverbrechen an Frauen sorgt das Frauenbild für Schlagzeilen, allerdings nur das Frauenbild von Asylbewerbern.

In Deutschland ist nach dem Mord an einer Studentin in Freiburg im Breisgau und zwei Vergewaltigungen in Bochum das Frauenbild von Geflüchteten zum Thema in der Öffentlichkeit geworden. Keine Diskussionen über das Frauenbild ausgelöst hat hingegen eine aktuelle Umfrage, wonach für jeden vierten EU-Bürger Sex ohne Einwilligung gerechtfertigt sein kann.

Umfrage in der EU

Im Auftrag der EU-Kommission sind über 27’000 repräsentativ ausgewählte Personen zum Thema «Geschlechtsspezifische Gewalt» befragt worden. Einige Ergebnisse:

  • Für mehr als ein Viertel der Befragten ist Sex ohne Einwilligung in bestimmten Situationen gerechtfertigt: Wenn Frauen getrunken oder Drogen genommen haben, freiwillig mitgegangen sind, freizügige Kleidung trugen, nicht deutlich nein sagten oder sich körperlich nicht deutlich wehrten.
  • 17 Prozent der Befragten gaben an, dass Gewalt gegenüber Frauen oft von diesen provoziert wird.
  • Jede fünfte Frau gab an, schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Partner erlebt zu haben.

«Falsche Debatte»

[[Krieg oder Care-Arbeit finanzieren]]

«Über Frauenbild in Deutschland reden»

Der Umfang der unbezahlten Arbeit wird in der Schweiz zwar seit zwanzig Jahren erhoben, monetär bewertet und in Form eines sogenannten Satellitenkontos zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung veröffentlicht. Trotzdem spielt die unbezahlte Arbeit in der Politik nach wie vor keine Rolle. Ökonomin Madörin forderte in der «Wochenzeitung» ein grundsätzliches Umdenken. Im Kapitalismus fliesse Geld nur dorthin, wo man Gewinne machen könne. «Überall sonst fehlt es.» Deshalb brauche es für diese Bereiche Geld vom Staat: «Der Staat kann Leistungen ermöglichen, die nicht rentabel, aber existenziell notwendig sind.» Das Geld dafür könne nicht aus höheren Steuern kommen, da diese Männer stärker als Frauen treffen würden und deshalb politisch nicht durchsetzbar seien. Madörin plädiert stattdessen dafür, Geld zu schöpfen. Staaten könnten Geld schöpfen, wenn sie etwas unbedingt machen müssen, beispielsweise einen Krieg finanzieren. Sie zitiert Nobelpreisträger Paul Krugmann: «Wir haben die Wahl: Entweder finanzieren wir einen Krieg, um die Wirtschaft anzukurbeln, oder wir geben viel mehr Geld aus für die Care-Ökonomie: für Bildung, Gesundheit, die Pflege der Alten und so weiter.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Eurobarometer «Geschlechtsspezifische Gewalt» (Zusammenfassung deutsch)

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